Ambidextrie – mit beiden Händen führen

Ambidextrie – mit beiden Händen führen

Wussten sie, dass lediglich ein Prozent der Menschheit die Fähigkeit besitzt, Dinge mit der rechten oder der linken Hand gleich gut erledigen zu können? Beidhändigkeit oder auch Ambidextrie ist der medizinische Begriff für diese Begabung. Ein Talent, das für Führungskräfte immer wichtiger wird. Im Management bedeutet Ambidextrie, mit der rechten Hand bestehende Modelle zu optimieren (Exploitation) und gleichzeitig mit links neue Wege einzuleiten und Innovationen voran zu treiben (Exploration).

Gute Beispiele sind Kodak und Fujifilm. 1999 war der Kamera- und Filmproduzent Kodak Weltmarktführer, dann gerieten sie in Schwierigkeiten und verschliefen die Digitalfotografie. 2012 ging das traditionsreiche Unternehmen in den Konkurs. Anders hat es die Konkurrenz gemacht: Fujifilm erkannte, dass die digitale Fotografie das Geschäft bedrohte und entwickelte eine beidhändige Strategie. Einerseits wurde das Kerngeschäft so lange aufrecht gehalten, wie es profitabel blieb. Auf der anderen Seite wurden neue Chancen gesucht, mit dem vorhanden Fachwissen in neuen Märkten Fuß zu fassen. Ende 2016 erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresumsatz von 20 Mrd. Dollar.

Altes bewahren, Neues entdecken

Meine Erfahrung zeigt, dass Unternehmen in der digitalen Transformation nur dann erfolgreich sind, wenn Innovationen und traditionelles Kerngeschäft nebeneinander existieren und sich gegenseitig ergänzen – ihre Organisation also ambidextrisch strukturiert ist. Auf die Organisationsebene übertragen heißt Ambidextrie, sowohl effizient als auch innovativ handeln zu können. Während es also im Kerngeschäft um Optimierung geht, die am besten durch feste Strukturen, Prozesse, Zeithorizonte und Regelkonformität erreicht wird, geht es in den Innovationsräumen um Kreativität, die Brechung von Routinen und Mustern, das Verlassen der Komfortzone und darum, neue Lösungen zu explorieren.

Ambidextrisch führen

Die größte Schwierigkeit bei ambidexter Führung besteht darin, dass nicht jede Organisation hinsichtlich ihrer Kultur und Struktur für den Explore-Part geeignet ist. Unternehmen mit ausgeprägter Silostruktur etwa oder solche, die eine sehr kontroll-fokussierte Unternehmenskultur aufweisen, können nicht von heute auf morgen einen offenen, erkundenden und vertrauensvollen Führungsstil etablieren. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass ein Unternehmen nur durch Ambidextrie langfristig agil und anpassungsfähig sein kann. Das birgt allerdings große Herausforderungen für das Management amidexter Organisationen.

Mit rechts führen

In der beidhändigen Führung steht die bevorzugte, dominante Hand – bei der Mehrheit der Menschen ist das die rechte Hand – für einen traditionellen Führungsstil. Hier gilt es, das Beste aus dem Kerngeschäft herauszuholen, die Prozesse effizienter zu gestalten, Kosten zu reduzieren und Produkte systematisch zu verbessern. Hier ist in der Regel allen klar, was zu tun ist. Wenn es also um das effiziente Umsetzen von bekannten Aufgaben geht, kommt dem Management eine klassische Rolle zu, dann ist eine zentral gesteuerte Top-down-Kommunikation in der Organisationspyramide ein wichtiges Instrument. Mit klaren Ansagen bringen Sie in kürzester Zeit Geschwindigkeit in ein Team oder einen Prozess. Damit zentral gesteuerte Top-down-Ansagen funktionieren, müssen Führungskräfte wissen, was sie tun. Der traditionelle Weg setzt hohe Fachkompetenz bei den Führenden voraus.

Mit links leiten

Durch die Digitalisierung und die steigende Komplexität der Märkte haben sich aber die Innovationszyklen sehr beschleunigt. Bei der Entwicklung zunehmend komplexer, vernetzter Systeme und dem Aufbau neuer digitaler Lösungen greift das Modell der allwissenden „rechtshändigen“ Führungskraft meiner Meinung nach zu kurz. Sicher kannten sich die Manager von Fujifilm zu Beginn ihrer ambidextrischen Strategie nicht mit Flachbildschirmen oder Kosmetikprodukten aus. Diese Sparten des Unternehmens sind heute allerdings sehr erfolgreich. Die linke Hand hat also die Aufgabe, schnelle, vernetzte und selbstorganisierte Einheiten zu motivieren, sie anzuleiten und ihnen die Freiheiten zu bieten, die sie für ihre visionäre Arbeit brauchen. Denn Mitarbeiter, die sich mit der Exploration beschäftigen, brauchen Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten. Das Fachwissen liegt im Team – nicht mehr beim Management.

Für mich ist klar, dass Ambidextrie als zeitgemäßes Modell des Digital Leadership nur funktionieren kann, wenn die Manager den Kern ihrer Aufgabe, also das Führen des Unternehmens, mit beiden Händen anpacken. Es gilt eine gemeinsame Vision zu entwickeln, auf die alle Mitarbeiter hinarbeiten, dazu müssen Führungskräfte rechts führen und links loslassen. Wichtig ist, dass die rechte Hand immer weiß, was die linke tut – und umgekehrt.

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Bildquelle: Sergey Nivens / Shutterstock