Buchvorstellung: Die Kreativitäts-AG

Buchvorstellung: Die Kreativitäts-AG

Heute stelle ich Ihnen ein Buch vor, das eigentlich kein Managementbuch ist. Auch kein Buch über Kreativität. Sondern beides. Darüber hinaus gibt es uns die Möglichkeit, hinter die Kulissen von Filmen wie Toy Story oder Die Monster AG zu schauen. Es heißt „Die Kreativitäts-AG“ und ist von Ed Catmull (Carl Hanser Verlag, München, 2014). Ed Catmull ist einer der Gründer des Trickfilmstudios Pixar und genau davon handelt das Buch auch – genauer: davon, wie Kreativität und Innovation in einem Unternehmen gefördert und erhalten werden können. In meinem Beitrag über Fehlertoleranz erwähnte ich das Buch bereits. Ich habe es sehr gern gelesen, unter anderem auch deshalb, weil der Erfolg so offensichtlich ist. Pixar war ursprünglich eine IT-Abteilung von Lucasfilm und avancierte unter der Leitung von Catmull zum Kreativunternehmen für computer-animierte Filme, das es mit einem Giganten wie Disney aufnehmen konnte. Heute lernt Disney von Pixar wie Kreativität geht anstatt andersherum. Das Tolle ist, dass Catmull nicht viel über Kreativitätsmethoden schreibt. Er erzählt, wie aus seiner Sicht mit den Teams und den einzelnen Menschen umgegangen werden sollte, damit sie maximal kreativ sind. Ein paar seiner Grundsätze und Methoden möchte ich hier mit Ihnen teilen.

„Leute, die besser sind als Du!“

Einer dieser Grundsätze entstand bereits, bevor Catmull Pixar gründete, nämlich als er bei einer Forschungseinrichtung arbeitete, die Computertechnik für die Herstellung von Trickfilmen entwickelte. Sein Chef ließ ihn erstmalig sein Team selbst zusammenstellen und ein Bewerber, Alvy Ray Smith, war viel begabter als Catmull selbst. Dennoch stellte er ihn ein. Die Zusammenarbeit wurde ein Erfolg, die zwei sind noch immer befreundet. Catmull selbst machte daraus einen Grundsatz: Stelle wann immer möglich Leute ein, die besser sind als Du selbst. Für mich ist das ein Manager-Prinzip, das ich schon oft gehört, aber sehr selten erlebt habe. Am Ende haben viele Führungskräfte nämlich doch Angst davor, dass ihnen ihre besten Mitarbeiter das Wasser abgraben könnten und stellen dann genau die Leute ein, bei denen das wahrscheinlich nicht passieren wird.  Damit nehmen sie sich die Chance, tatsächlich die Besten zu kriegen.

Dokumentation auch von Misserfolgen

Und ein weiterer Erfahrungsschatz Catmulls wurde zu einem Grundsatz: Das wertfreie Dokumentieren von Erfolgen und Misserfolgen. Filme sind ein extrem risikobehaftetes Geschäft. Bei der Produktion eines Films können Dinge spektakulär schiefgehen, Kosten schnellen in Minuten in die Höhe, der Erfolg hängt von vielen unvorhersehbaren Faktoren ab. Nichts liegt da näher, als sowohl den Erfolg, als auch das Scheitern gnadenlos in der Retrospektive zu betrachten, ohne entsetzt zu sein. An einer Stelle beschreibt Catmull zum Beispiel eine Szene bei Die Monster AG, in der ein CD-Turm umfällt. Für diese Szene wurden 90 CD-Cover gezeichnet und der Schattenwurf zu jeder einzelnen CD berechnet. Das verschlang viel Geld und Zeit und wurde im Nachhinein als falsch erachtet. Daraus entstand dann die Idee, die Produktionskosten pro Film per Arbeitswoche pro Teammitglied zu planen. Für jede Arbeitswoche steht eine Art Eisstiel an der Wand. Sobald ein Teammitglied findet, es müsse einen zusätzlichen Eisstiel für etwas verbrauchen, muss ein anderer weichen. 

Fehlertoleranz und Vertrauen

Abgesehen von der Effektivität der Maßnahme beeindruckt mich hier der Vorgang, aus einem Fehler etwas Neues entstehen zu lassen. Das geht aber nur, wenn Fehler gemacht werden dürfen – man scheitern darf. „Wenn mehr Menschen ohne Erlaubnis Probleme lösen dürfen, und wenn man ihre Fehler toleriert, dann kann eine große Anzahl Probleme angegangen werden.“ schreibt er. Um diese Fehlertoleranz im Kleinen wie im Großen zu ermöglichen, ist eines notwendig: Vertrauen. Catmull vertraut in die kreativen Fähigkeiten seiner Mitarbeiter – nicht in Ideen oder Prozesse. Er postuliert, dass eine Atmosphäre des Vertrauens und Zutrauens notwendig ist, und zwar ganz praktisch. Unternehmenskulturen, in denen Vertrauen als Leitsatz ausgerufen wird, dann aber in der täglichen Arbeit gar nicht gelebt wird, beschreibt er als schädlich. Denn nur, wenn die Mitarbeiter willens und in der Lage sind, Risiken einzugehen, können sie ihre Kreativität entfalten und Probleme lösen. „Scheitere früh und schnell“, schreibt Catmull und erzählt uns zum Beispiel von immer wieder neuen Varianten und Überarbeitungen von Die Monster AG, bevor der Film ein riesiger Erfolg wurde.

Ich kann dem nur zustimmen. Dabei beobachte ich den Trend, dass viele Führungskräfte ebenfalls für sich in Anspruch nehmen, ihren Teams zu vertrauen. Vertrauen und Fehlertoleranz sind ja schon fast Modeworte, die jeder Manager vor sich herträgt. In der Praxis fällt es vielen aber schwer, das umzusetzen. Das liegt daran, dass viele Geschäftsmodelle immer noch auf minimales Risiko statt auf das Entfalten von Kreativität ausgerichtet sind. Hier liegt meines Erachtens die größte Herausforderung und das macht das Buch auch so inspirierend. Catmull hat diese zwei Prinzipien konsequent verfolgt und stellt das Wissen, die Fähigkeiten und die Kreativität seiner Mitarbeiter in den Mittelpunkt. Dabei helfen ihm Methoden und Vorgehensweisen, ein paar ausgewählte möchte ich mit Ihnen teilen:

1. Der Braintrust:

Das ist ein Gremium, das mit wechselnden Rollen besetzt wird und Projekte schonungslos auf Schwächen prüft. Dabei geht es stets ausschließlich um die Sache, nie um Persönliches. Der Braintrust macht nur Vorschläge, er hat keine Weisungsbefugnis.

2. Dailys:

Das sind Meetings, bei denen die Produktion oder Projekte vom Vortag rekapituliert werden, um den Stand zu ermitteln. Sie verlaufen ungezwungen und ohne Formvorgaben und bringen gerade dadurch viel wertvolles Feedback hervor.

3. Wissen weitergeben:

Hier ist der Unterschied zwischen Pixar und Disney gut sichtbar, wobei das natürlich für alle Unternehmen jeder Branche wichtig ist. Als Walt Disney starb, ging es mit dem Unternehmen zunächst bergab. Das gesamte Wissen war nur in seinem Kopf gespeichert und somit nicht verfügbar. Damit das bei Pixar nicht geschieht, führte Catmull ein Mentorenprogramm ein.

4. Das hässliche Baby:

Mit diesem im Deutschen etwas fragwürdig anmutenden Ausdruck ist nichts Anderes gemeint, als ein Prototyp, der meist eben noch nicht perfekt ist. Catmull schreibt dazu: „At the beginnings, all projects suck.  Therefore, you cannot judge a team by its results (they will always be pretty bad), but only by its efforts.”

Es geht darum, sich zu trauen, sich diesem unfertigen und verletzlichen „Baby“ – bei Pixar die Demoversion eines Filmes – in aller Ruhe und mit größter Sorgfalt anzunehmen, auch wenn man nicht weiß, ob es lebensfähig sein wird. So lief es beispielsweise bei Findet Nemo.

5. Kurze Experimente:

In eine ähnliche Kerbe schlägt seine Ermutigung, regelmäßig kurze Experimente zu machen. Bei Pixar sind das Kurzfilme. Die bringen zwar wenig Geld, vergrößern aber die Erfahrung und schaffen Image.

6. Angst vor Veränderung nehmen:

Hier geht es darum, seine Mitarbeiter auf Veränderungen vorzubereiten, anstatt zu versuchen, diese zu vermeiden. Man kann Gedankenexperimente vornehmen und seine Teams immer wieder ermutigen, sich mögliche Veränderungen vorzustellen. Catmull selbst musste schmerzlich erfahren, was es mit sich bringen kann, wenn man das versäumt. 2006 verkaufte Steve Jobs Pixar an Disney und man hatte den Mitarbeitern gesagt, es würde keine Veränderungen geben. Danach wurde dann jeder Frust und jedes Problem auf die Übernahme geschoben, was den Prozess erschwerte. Wer sich ausführlicher für Veränderungsmanagement interessiert: Hier bloggte ich bereits darüber.

7. Das Verborgene aufdecken:

Catmull sieht einen Grund für das Scheitern von Unternehmern darin, dass Manager die Probleme der Mitarbeiter nicht wahrnehmen. Mitarbeiter zeigen sich oft nicht in ihrer Gegenwart, verschweigen Probleme oder schmeicheln ihren Chefs. Daher müssen sich Manager immer wieder fragen, was ihnen verborgen bleibt und die Mitarbeiter konkret danach fragen. Nur dann können sie eine Ahnung davon erhalten und ihr eigenes Verhalten anpassen, falls notwendig.

Wie schlagkräftig Catmulls Prinzipien und Methoden sind, konnte man immer wieder beobachten. Zunächst im Zusammenhang mit der Übernahme von Disney: Catmull übertrug seine Methoden auf den Disney-Konzern, wo immer es möglich war. Ein Beispiel ist der Film Rapunzel (2010). Hier hat der Kreativdirektor – ganz nach Catmulls Vorbild – sein gesamtes Team zusammengerufen, um in kleinen Sessions die computer-animierte Technik mit der traditionellen Disney-Zeichentechnik zu verbinden und das Beste aus den beiden Welten herauszuholen. Auch der Film Frozen zeigt, dass Disney seit dem Merger mit Pixar zu alter Kreativität zurückgefunden hat.

Das Buch endet mit Catmulls Lieblingsthema: Der ständigen Erneuerung. In 2013 sieht er die Gefahr, dass Pixar stagniert. Daraufhin ruft er alle 1.200 Mitarbeiter zu Brainstorm-Sessions zusammen. Wieder einmal stellt er seine Teams in den Mittelpunkt, um Lösungen zu finden. Und stellt fest: Pixar ist, wie alle Firmen dieser Welt, unfertig. „As challenges emerge, mistakes will always be made, and our work is never done”.

Mich hat dieses Buch sehr inspiriert. Weniger, weil darin bahnbrechend Neues vorgestellt wird, sondern weil ganz praktisch (und unterhaltsam) nachzulesen ist, welche Kraft und Kreativität ein gutes, vertrauensvolles Management entwickeln kann.

Und in welchem Unternehmen arbeiten Sie? Wir sind zwar nicht Pixar oder Disney, wurden dieses Jahr aber wiederholt vom Focus Magazin als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet. Wir zählen in der Branche Telekommunikation & IT zu den top 20 Unternehmen mit den besten Arbeitsbedingungen. Die top itservices AG vermittelt IT-Spezialisten als Freelancer und in Festanstellung. Aufgrund des starken Wachstums suchen wir auch intern Top-Fachkräfte aus den Bereichen Business Development, Recruiting und Vertrieb. Nehmen Sie gern Kontakt auf, wir freuen uns auf Sie!

 

 

Bildquelle: Rawpixel.com / Shutterstock