Der Wert der eigenen Arbeitskraft: So steigt er

Der Wert der eigenen Arbeitskraft: So steigt er

Nachdem ich in meinem Beitrag Jobsicherheit 2.0 ein neues Bild über das Verständnis von Jobsicherheit gezeichnet habe, möchte ich die Frage beantworten, was man tun kann, um den eigenen Wert am Arbeitsmarkt zu steigern. Wir haben bereits gelernt, Sicherheit schafft man sich am besten selbst. Ähnlich sieht es mit der Steigerung des eigenen Wertbeitrags aus, also dem wirtschaftlichen Nutzen, den man durch seine Arbeit und Erfahrung stiftet.

Betriebszugehörigkeit reicht nicht

Doch zu sagen, man selber sei verantwortlich für seinen eigenen Marktwert ist ein absoluter No-Brainer. Ich möchte dieses Thema auch gerne von hinten aufrollen, denn es gibt deutliche Fehler die man machen kann und die den Wertbeitrag eher senken als steigern. Der erste Fehler hat mit der irrigen Auffassung zu tun, dass man quasi automatisch seinen Wertbeitrag erhöht indem man abwartet und Jahre der Betriebszugehörigkeit ansammelt. Es stimmt einfach nicht, dass man alleine dadurch, dass man sein Gesicht lange genug ins Office hält, auch unentbehrlicher für das Unternehmen wird. Erfahrung allein reicht nicht.

Hierzu eine Geschichte aus meiner Zeit als VP bei einem großen IT-Dienstleister. Das Systemhaus war um 2007 herum besonders erfolgreich mit der amerikanischen Enterprise Software von BMC/Remedy. Unsere hochspezialisierten Entwickler programmierten ganz eigene Anpassungen und Tools um die komplexe Software bei unseren Kunden zu implementieren. Doch dann drehte sich das Geschäft

Der Markt verlangte mehr Standardlösungen und weniger individuelle Entwicklungen eines Werkzeugkastens. Nun waren plötzlich Berater gefragt, die den Mehrwert von out-of-the-box Lösungen erklären konnten. Für viele unserer hochspezialisierten Entwickler war dies das Ende im Projektgeschäft mit Remedy. Denn nur die wenigsten schafften den Sprung zum Berater. Diejenigen die es schafften allerdings konnten sich vor verantwortungsvollen Großprojekten, durch die sie ihren Wertbeitrag entscheidend steigern konnten, nicht mehr retten. “Nicht dein Chef zahlt dir die Gehaltserhöhung, sondern der Kunde!”, so lautet eine Regel, die meine Erfahrung aus dieser Zeit sehr gut zusammenfasst.

Ist man nicht bereit, sich weiterzuentwickeln, die Zeichen des Marktes zu erkennen und dazu zu lernen, sitzt man schneller auf dem Trockenen als einem lieb ist. Die Veränderung im Markt fordert allerdings auch Fähigkeiten, die bisher weniger gefragt waren: Überzeugungskraft, Moderationskenntnisse und Business Know-how sind unabdingbar. Reine Softwareentwickler haben es schwer, ihren Marktwert zu halten, geschweige denn, zu steigern. Ähnliche Beobachtungen machen wir heute im SAP-Beratungsmarkt.

Gesunde Distanz

Der zweite Fehler hat mit einem falschen Bezug auf die eigene Person zu tun und knüpft an den Spruch mit der Gehaltserhöhung direkt an. Wir arbeiten alle in Organisationen und egal ob groß oder klein, wir spielen eine “Rolle”.  Diese Rolle hat Aufgaben, Ziele und Erwartungen zu erfüllen. Wer sich selbst zu wichtig nimmt, kann seine eigene Rolle nicht aus einer gesunden Distanz sehen, nimmt Kritik persönlich und hat häufig Schwierigkeiten, sich selbst zu entwickeln. Wir nennen das intern gerne das “Rolle-Ich-Problem”. Ich habe schon einige Kollegen gesehen, die das Wissen und die Kompetenz für ihre Aufgabe mitbrachten, aber sich selbst im Wege standen und daher am Ende gescheitert sind.

Der Wert der Aufgabe zählt

Aber zurück zum persönlichen “Value-Add”. Bei der Entwicklung des eigenen Wertbeitrages geht es ja hauptsächlich um den Wert für den Arbeitgeber und den Kunden und weniger um die eigene Gefühlswelt. Letztlich zahlt der Kunde jedes Gehalt. Daher sind Aufgaben, die direkten Kundenwert schaffen oder Kosten deutlich senken besonders gut bezahlt.

Schauen wir uns beispielsweise Aufgaben im IT-Consulting an.  Juniorberater lernen zu Beginn der Karriere zügig Fach- und Branchenwissen und machen schnell Fortschritte. Je selbständiger Aufgaben gelöst werden, desto höher ist das Einkommen. Aber nur wenn die Aufgaben von besonders hohem Wertbeitrag sind, kann diese Entwicklung fortgesetzt werden. Um vom Senior Consultant weiterzukommen muss der eigene Wertbeitrag nochmals steigen, zum Beispiel durch Übernahme von wirtschaftlicher Gesamtverantwortung. Das „On-time-on-budget“-Delivery eines Millionenprojektes hat einen höheren wirtschaftlichen Wert als die meisten Einzelleistungen per se.  Partner in IT-Beratungen haben den höchsten Wertbeitrag, da sie nicht nur Geschäft generieren, sondern auch das Delivery verantworten.  

Berater, die fachlich sehr gut sind, aber keine größere Verantwortung für Projekterfolg oder Kundengewinnung übernehmen, kommen über eine gewisse Einkommensgrenze nicht hinaus – egal wie lange eine bestimmte Rolle ausgeübt wird. Durch die ständige Tendenz aller IT-Aufgaben gen “Commodity” ist sogar das Gegenteil der Fall: Der eigene wirtschaftliche Mehrwert sinkt.

Sein Schicksal in die Hand nehmen

Fassen wir zusammen: der Schlüssel zu langfristigem Erfolg ist direkt Verbunden mit der Bereitschaft zur Eigeninitiative. Dies ist der Hebel zur Steigerung des Wertbeitrags. Dabei kommt es darauf an, die Zeichen des Marktes zu erkennen. Und darauf zu achten, was meine Vorgesetzen und Kollegen von mir und der Rolle die ich ausübe erwarten. Kritik an dieser Rolle gilt es anzunehmen und in die folgende Motivation zu sublimieren: besser zu werden als vorher. Denn die kürzeste Definition von “High Potentials” lautet: “Sie wollen mehr!”. Ein Mehr an Verantwortung, Umsatz, Mitarbeitern, Gehalt, Rendite und Macht. Dabei geht es alleine um die Einstellung, eine Schippe oben drauf zu legen und den eigenen Antrieb dafür zu nutzen. Wem das gelingt, der schafft es, seinen Wertbeitrag nachhaltig auszubauen. Und um diesen Beitrag mit einem Zitat von Jack Welch (ex CEO von GE) abzurunden: “Control your own destiny or somebody else will!”

 

Bildnachweis: Janaja Dharmasena/Shutterstock