Die 12 Gebote: So schreiben Sie Ihren Lebenslauf (2)

Die 12 Gebote: So schreiben Sie Ihren Lebenslauf (2)

Teil 2

Nach den ersten „5 Geboten“, wie man heute einen Lebenslauf verfasst, bin ich mehrfach gefragt worden, wann endlich der zweite Teil kommt und hier ist er.

In Teil 1 ging es darum, was grundsätzlich hinein gehört, wie ausführlich die einzelnen Stationen beschrieben werden sollten und wie Sie Ihren CV an die Stellen anpassen, auf die Sie sich gerade bewerben. Im zweiten Teil erfahren Sie nun, was Sie mit Lücken und fehlenden Zeugnissen machen, wie Sie netzwerken und was nicht in einen CV gehört.

6. Füllen Sie Lücken

Der lückenlose Lebenslauf, der noch vor ein paar Jahren das Credo jeder erfolgreichen Bewerbung war, ist heute zum Glück nicht mehr gefragt. Aber: das heißt natürlich nicht, dass man einfach lange Zeiten kommentarlos weglassen kann. Das heißt nur, dass der lineare Weg nach oben kein Muss mehr ist, Orientierungen nach rechts oder links sind durchaus erlaubt, oft sogar erwünscht. Dabei gilt: Sie haben ein Experiment gewagt und etwas ganz anderes gemacht oder haben zwischendurch eine Weltreise unternommen, weil sich die Gelegenheit bot? Schreiben Sie das auf! Sie wurden entlassen und waren einige Zeit ohne Beschäftigung? Schreiben Sie es nicht auf! Sicher haben Sie auch in dieser Zeit etwas gemacht, vielleicht auf selbstständiger Basis kleine Projekte bearbeitet oder sich weiter gebildet. Formulieren Sie das positiv und aktiv. Und das führt uns zum nächsten Gebot:

7. Seien Sie mit Ihrem Wissen up-to date

Nicht nur, aber besonders in der IT gilt: Wissen von gestern ist Schnee von vorgestern. Es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sein Wissen ständig auf dem Laufenden zu halten. Viele Unternehmen unterstützen hierbei, manche aber auch nicht. Wie auch immer sie sich weiter gebildet haben: Schreiben Sie es auf. Und auch, wenn es nicht um Vertiefung oder Aktualisierung Ihrer Fachkenntnisse ging, sondern um Wissen „rechts oder links“ davon: Schreiben Sie es in Ihren Lebenslauf! Vor kurzem war ich im Gespräch mit einer IT-Fachkraft und nach einer ganzen Weile fand ich heraus, dass sie gerade eine betriebswirtschaftliche Weiterbildung bei der Handelskammer in den Abendstunden absolviert. „Warum steht das denn nicht in Ihrem CV?“ fragte ich. „Die ist ja noch nicht abgeschlossen. Außerdem hatte ich Sorge, dass es einen schlechten Eindruck macht, da ich an zwei Abenden pünktlich gehen muss.“ „Wer Sie deswegen nicht nimmt, ist selbst schuld!“ entgegnete ich. Und auch ohne Abschluss: Eine laufende berufliche Weiterbildung ist immer erwähnenswert. Das gilt übrigens für alle besonderen beruflichen Initiativen, denn die sind selten und daher immer bemerkenswert.

8. Machen Sie Ihren CV öffentlich

Habe ich weiter oben beschrieben, dass Sie Ihren CV an Kundenbedürfnisse anpassen sollten, so bezog sich das auf die Ausgestaltung der einzelnen Stationen. Das heißt aber nicht, dass es nicht ein verbindliches Grundgerüst gibt, und das sollte für alle einsehbar sein. Aktuelle Auftritte auf XING und LinkedIn sind Pflicht. So können Sie nicht nur gefunden, sondern zum Beispiel auch empfohlen werden. Außerdem halten Sie sich so selbst auf dem Laufenden. Natürlich gilt inzwischen, dass es  in der IT mehr Jobs als Bewerber gibt, aber das heißt noch lange nicht, dass Sie auch von dem für Sie interessantesten erfahren – oder das spannendste Unternehmen von Ihnen! Darüber hinaus sollten Sie bei spezialisierten und renommierten IT-Vermittlungen gelistet sein. Vielleicht haben die gerade genau das Angebot, auf das Sie gewartet haben. Also: raus in die Netzwerke.

9. Achten Sie auf einen roten Faden

Viele Lebensläufe sind heutzutage bunter und lebendiger als noch vor einigen Jahren – zum Glück. Zu eindimensional aufgestellte Bewerber haben in der komplexen Geschäftswelt von heute kaum noch eine Chance. Aber: Ein roter Faden sollte trotzdem erkennbar sein. Das erreichen Sie, indem Sie Ihre Stationen einem Ziel unterordnen. Im Beispiel von oben, dem IT-Experten mit der wirtschaftlichen Weiterbildung zum Beispiel, reicht eine kurze Erläuterung, etwa „Erweiterung meiner betriebswirtschaftlichen Kenntnisse, um den Bereich IT noch besser in den Unternehmenskontext einbringen zu können“. Haben Sie mehrere berufliche Anläufe gebraucht, bis Sie Ihr Feld gefunden haben, handeln Sie diese kurz und ohne weitere Erläuterungen am Ende des CV’s ab und fokussieren Sie sich auf die aktuellen Stationen. Erfahrene Recruiter erkennen schnell einen Karrieretrend, aber Sie müssen sicherstellen, dass dieser erkennbare Trend nach vorne geht und nicht zerfasert.

10. Ersetzen Sie fehlenden Zeugnisse durch Referenzen

Nicht selten höre ich von Kandidaten, dass Sie sich noch nicht bewerben können, da ihnen noch kein Arbeitszeugnis vom letzten Job vorliegt. Das ist falsch. Auch, wenn es in Deutschland eine (fragwürdige) Zeugniskultur gibt, darf ein fehlendes Zeugnis auf keinen Fall ein Grund sein, sich nicht zu bewerben. Am einfachsten umgeht man das Dilemma, in dem man Referenzen anbietet. Auf einem Extrablatt oder im Lebenslauf selbst wird dann aufgeführt, welche Aufgaben man dort wahrgenommen hat und der Vorgesetzte wird mit Namen und Kontaktdaten für den Fall erwünschter Referenzen aufgeführt. Selbstverständlich muss dieser vorher gefragt werden, ob er damit einverstanden ist. Ist er einverstanden, macht das mitunter einen besseren Eindruck als eines dieser verklausulierten Zeugnisse!

11. Lassen Sie unnötige persönliche Angaben weg

Unnötig sind persönliche Angaben dann, wenn Sie für die Besetzung der Stelle keine Rolle spielen und das sind die meisten. Also: In einen CV gehören Ihr Name, Ihr Geburtsdatum (freiwillige Angabe auf Grund des AGG), eventuell Ihr Familienstand, auf jeden Fall Ihre vollständigen Kontaktdaten und das war’s auch schon. Angaben zu Eltern, Geschwistern, Staatsangehörigkeit oder Konfession sind veraltet, ebenso unpassend ist die Angabe eventueller Parteizugehörigkeiten oder anderer philosophisch-gesellschaftlicher Grundhaltungen. Aber Achtung: Prüfen Sie lieber zweimal, ob Sie alle Kontaktdaten gut auffindbar vermerkt haben. Unglaublich, aber wahr: Kürzlich bewarb sich bei uns ein „Vertriebsprofi“, der seine Mobilnummer vergessen hatte. Nun ja.

12. Wählen Sie eine klare und ansprechende Optik

Dies ist ein ganz wichtiger Punkt, der – um ehrlich zu sein – gerade bei IT-Fachkräften oft unterschätzt wird. Sie sind es gewohnt, aus Datenmengen in Sechspunktschrift relevante Informationen zu filtern. Das sind Personaler oder Geschäftsführer aber nicht. Wählen Sie eine große Schriftstärke, mindestens elf Punkt, lassen Sie Lücken und achten Sie generell darauf, dass das Auge beim Lesen ruht.  Am besten verwenden Sie eine der vielen Vorlagen, die Sie finden, wenn Sie den Begriff „Lebenslauf“ googeln.

Last but not least: Behalten Sie ihr Ziel im Auge. Der CV soll Ihnen einen persönlichen Vorteil bringen. Optimieren Sie dafür – und nicht mehr. Viel Erfolg!

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Weitere Tipps rund um das Thema Bewerbung finden Sie hier in der Karrierebibel.