Effektive Führungsteams – das müssen Sie können

Effektive Führungsteams – das müssen Sie können

„Strenghts based Leadership“ – eine Buchbesprechung

Endlich. Zuletzt las ich ein Management-Buch, dessen Aussagen sich auf valide, jahrzehntelange Forschung beziehen und nicht auf die Meinung eines mehr oder weniger erfolgreichen Ex-Managers. Und das über ein Thema, das ich für die wichtigste Führungsqualität halte: Die Wahrnehmung und Förderung von Stärken. In dem Buch „Strenghts Based Leadership“ von Tom Rath und Barry Conchie tragen die beiden Autoren die Forschungsergebnisse zusammen, um erfolgreiche Führung zu verstehen und Empfehlungen daraus abzuleiten. Und zwar so: Die Forscher des Gallup Institutes befragten in über 10.000 Mitarbeiter, welche Führungseigenschaften ihnen am wichtigsten sind. Und das sind die Antworten:

  1. Die effektivsten Führungskräfte investieren permanent in Stärken – ihre eigenen und die ihrer Mitarbeiter.
  2. Sie umgeben sich mit den richtigen Mitarbeitern und maximieren so die Effektivität der Teams
  3. Sie verstehen die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter.

Bewusstsein der eigenen Stärken

Dabei liegt auf der Hand: Um in eigene und die Stärken anderer investieren zu können, muss man sie kennen. Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Ich erlebe das bereits oft in Vorstellungsgesprächen mit erfahrenen Führungskräften. Frage ich nach ihren Führungsstärken, kommen immer dieselben Antworten: „Ich kann mein Team gut motivieren“, „Ich informiere meine Leute regelmäßig“, „Ich sorge dafür, dass sie können, was sie brauchen“, „Ich helfe ihnen, wenn nötig“, „Ich weiß, was sie brauchen“. Das kann alles sein, oder auch nicht. Wenn ich dann konkret nachfrage, kommt oft heiße Luft. Das bestätigen auch die Forschungsergebnisse von Gallup. In vielen Interviews gaben die Führungskräfte an, ihr Personal stetig weiterzuentwickeln. Befragte man dann das Personal, kam oft genau das Gegenteil heraus, zum Beispiel, dass sich die Mitarbeiter demoralisiert fühlten.

Das ist fatal, wie Führungs-Forscher und Gallup-Kollege Dr. Donald O. Clifton herausfand. Denn eine seit den 60er Jahren durchgeführte Studie in Form von über 20.000 umfangreichen Interviews ergab, dass es für extrem erfolgreiche Führungskräfte nicht ein einziges, allgemeingültiges Set an Führungseigenschaften gibt. Das einzige, was allen herausragenden Führungskräften gemein ist, ist die Kenntnis über ihre eigenen Stärken.

Führungsteams: Anders ist besser

Allerdings fanden die Forscher ebenfalls heraus, dass die erfolgreichsten Führungsteams sehr wohl über bestimmte Stärken verfügten. Daraus leitet sich die Empfehlung ab, möglichst Führungsteams mit komplementären Eigenschaften zusammenzustellen. Eine Empfehlung, der in der Praxis übrigens nur selten nachgekommen wird. Haben Sie schon einmal einer Executive-Führungskraft bei der Bewertung ihrer Team Leader oder Bewerbungskandidaten für Führungspositionen zugehört? Ich schon und ich kann berichten: Je ähnlicher die Kandidaten den Führungskräften waren, desto positiver wurden sie bewertet. Das macht bei der Zusammenstellung eines Freundeskreises vielleicht Sinn – um ein erfolgreiches Führungsteam zusammenzustellen, ist das aber genau der falsche Ansatz!

Die Gallup-Forscher entwickelten also 34 Führungseigenschaften, die sie in vier Felder zusammenfassten. Führungsteams, die möglichst alle dieser vier Felder in sich vereinen sind demnach die erfolgreichsten. Die Stärkenfelder lauten:

1. Executing

Führungskräfte, die stark in der Umsetzung sind, kriegen „Dinge geregelt“, wie David Allen sagen würde. Das heißt, sie übersetzen Strategien in die konkrete Unternehmenspraxis. Eigenschaften, die in dieses Feld gehören, sind zum Beispiel Erfolgsorientierung, Glaube, Beständigkeit, Disziplin, Fokus, Verantwortung und Widerstandskraft. Ein tolles Beispiel hierfür ist Carol Bartz, die bis 2011 an der Spitze von Yahoo fungierte. Sie gilt als äußerst disziplinierte Managerin, die ihre Ideen und Konzepte umsetzt und eine hohe Bereitschaft hat, Dinge unter allen Umständen in die Tat umzusetzen. Die oft zitierte Management-Philosophie von General Electric stellt „Execution“ ebenfalls in den Mittelpunkt.

2. Influencing

Führungskräfte mit starkem Einfluss schaffen es, Mitstreiter und Unterstützung für eine Idee oder ein Projekt zu gewinnen. Wie sie das schaffen, hängt von ihren individuellen Stärken innerhalb dieses Stärkenfeldes ab. Dazu gehören Kommunikation, Wettbewerbsorientierung, Selbstsicherheit, Aussagekraft und Überredungskunst. Eine sehr selbstsichere Person braucht oft nicht viel zu tun, um Menschen für ihre Ideen zu gewinnen. Man geht davon aus, dass so jemand schon weiß, was richtig ist. Mir fällt als Beispiel Ausgust-Wilhelm Scheer ein, ehemaliger Bitkom-Präsident und mehrfach im Aufsichtsrat der SAP AG vertreten. Wie kaum ein anderer prägte und prägt er die deutsche IT-Szene und schaffte es immer, die Öffentlichkeit durch sein Wissen, seine Überzeugungskraft und sein Selbstbewusstsein für sich einzunehmen. Erfolgreiche Führungskräfte müssen immer auch effektive Verkäufer sein. Wenn sie niemanden mitnehmen, gibt es wenig zu bewegen, weil sie allein sind.

3. Relationship Building

Wer den Aufbau von Beziehungen beherrscht, ist in der Lage, ein Team aus vollkommen unterschiedlichen Individuen in eine „Mannschaft“ zu verwandeln, die ein gemeinsames Ziel verfolgt. Eigenschaften dieses Stärkenfeldes beinhalten zum Beispiel Anpassungsfähigkeit, die Fähigkeit, andere zu entwickeln, Empathie, Harmonieorientierung, die Fähigkeit, Verbindungen und Inklusion herzustellen sowie eine positive Grundhaltung. Dazu fällt mir sofort Jogi Löw ein. Natürlich ist der fußball-fachlich versiert, aber der wichtigste Unterschied zu anderen Trainern liegt darin, dass er jeden Spieler so individuell trainiert und vor Allem motiviert hat, dass jeder einzelne am Ende ein erfolgreicher Spieler wurde. Wir alle können von so einer Führungskraft viel lernen.

4. Strategic Thinking

Der Stratege unter Führungskräften schafft es, sein Team langfristig auf Kurs zu halten. Wer dabei beispielsweise eine Stärke in der Sachlichkeit hat, kann seinem Team beibringen, wie es die Erfahrungen aus der Vergangenheit für die Zukunft nutzen kann. Zu seinen Eigenschaften gehören analytische Fähigkeiten, Zukunftsorientierung, Ideenreichtum, Intellekt, Lernwille und die Fähigkeit, visionär zu denken. Oder anders ausgedrückt: Bill Gates. Wohl kaum ein anderer hat die Digitalisierung unserer Welt weiter und treffsicherer vorangetrieben, als er.

Mein persönliches Fazit nach Lektüre des Buches ist: Execution first. Kein Zweifel, alle vier Führungseigenschaften sind notwendig und wichtig. In meiner persönlichen Beobachtung ist Execution aber die wichtigste Fähigkeit. Warum? Sie ist die unbequemste und erfordert die meiste Disziplin. Ich kenne viele Manager, die sehr gut darin sind, andere zu bewegen, aber nicht konsequent genug, um die notwendigen KPIs zu erreichen. Zugegeben, gute Teambuilder sind extrem wichtig, aber ohne Execution geht nichts voran.

Übrigens: Wer seine eigenen Stärken herausfinden möchte, kann das von Dr. Clifton entwickelte StrenghtsFinder-Programm online durchlaufen. Inzwischen gibt es sogar eine eigene Version für Startup-Gründer. Es enthält nicht nur Auswertungen über die eigenen Führungsstärken, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen für Ihren Aktionsplan als Führungskraft.

Viel Spaß bei der Lektüre des Buches und bei der Entdeckung Ihrer wichtigsten und nachhaltigsten Ressourcen: Ihrer Stärken!

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Und hier noch einmal der Link zum online Strengthsfinder®

 

 

Bildquelle: www.gallup.com