Planung unter Unsicherheit: Effectuation

Planung unter Unsicherheit: Effectuation

Wie entscheiden Sie, was Sie kochen wollen? Nehmen Sie sich zum Beispiel ein Gericht vor, weil es Ihnen beim letzten Restaurantbesuch besonders gut geschmeckt hat und planen dann entsprechend? Oder schauen Sie, was Sie für Vorräte haben, entwickeln daraus eine vage Idee, fragen Ihre Familie, wie sie das finden und machen sich dann ans Werk? Falls Sie zur zweiten Gruppe gehören, haben Sie eine Handlungs- und Entscheidungs-Logik angewendet, die im digitalen Zeitalter äußerst populär ist: Effectuation. Heute möchte ich Ihnen dieses Prinzip kurz vorstellen. Gerade im Wirtschafts- und Management-Kontext gewinnt es an Bedeutung, da es eine Antwort auf Herausforderungen der VUCA-Welt sein kann – also einer Geschäftsumgebung, die volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig ist. Vielleicht erinnern Sie sich an meinen Beitrag über die Business Model Canvas oder meine kleine Reihe zum Thema Agilität. In allen Beiträgen wurde schon deutlich, dass unser Wirtschaftsumfeld immer unsicherer und weniger vorhersehbar wird. Man kann das auch als Klammer um sämtliche Prozesse verstehen, die in einer digital geprägten Wirtschaftswelt stattfinden. Diese Unvorhersehbarkeit macht sich Effectuation zum Grundprinzip der Entscheidungslogik. Dabei behauptet die Entwicklerin von Effectuation, Prof. Saras Sarasvathy, dass diese Art Entscheidungen zu treffen, unbewusst von erfolgreichen Unternehmern bevorzugt wird. Sich dies bewusst zu machen, macht demzufolge kluge Entscheidungen unter Unsicherheit lernbar. Ich finde es einen spannenden Gedanken, einer eher intuitiven Logik Struktur zu geben! Und so geht es:

Effectuation geht von der Frage aus „Was kann ich tun?“ – und nicht, wie herkömmliche Entscheidungs- oder Geschäftsmodelle „Was soll ich tun?“. Dabei werden die Mittel und Möglichkeiten der Gegenwart in den Mittelpunkt gestellt (Was habe ich im Kühlschrank?), statt Erfahrungen von gestern auf morgen zu übertragen. Veränderungen der Umwelt werden permanent mit in Betracht gezogen, so dass sie keinen Störfaktor darstellen. Im Gegenteil: Statt Vorhersagen geht es hier ums Gestalten, und zwar durch sich stets anpassende Ressourcen, Wissen und Partnerschaften. Effectuation besteht im Wesentlichen aus einem so genannten Effectuation Circle und fünf Prinzipien.

Zunächst möchte ich Ihnen eine kurze Zusammenfassung des Effectuation Circles geben:

Die zur Verfügung stehenden Mittel bilden den Startpunkt (wer bin ich, was weiß ich und wen kenne ich?). Sobald eine Idee mit jemandem besprochen wurde, beginnt der Prozess – mit der ersten Interaktion. Falls es vom Gesprächspartner kein Commitment gab, ist die Idee on hold. Falls doch, kann dies zwei Effekte nach sich ziehen: Neue Mittel, weil der neue Geschäftspartner eben selbst welche einbringt, sowie neue Ziele. Daraus resultieren immer neue Ressourcen, die meine Möglichkeiten stetig erhöhen. Gleichzeitig kann der Unternehmung durch sich verändernde Rahmenbedingungen und sich daran anpassende Ziele auch immer wieder eine neue Richtung gegeben werden.

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Diese fünf Prinzipien sind dabei maßgeblich:

1. Bird in Hand (Mittelorientierung)

Damit ist gemeint: Arbeite mit dem, was Du hast: Wer bist Du, was weißt Du und wen kennst Du? Damit läuft man los und darauf aufbauend gestaltet man seine Idee und seine Entscheidungen – nicht auf in der Ferne liegenden, großen Zielen, für die man erst einmal umfangreiche Mittel bereitstellen müsste.

2. Affordable Loss (Leistbarer Verlust)

Hier steht die Frage im Mittelpunkt, wieviel Du maximal bereit bist zu verlieren. Die zu erwartende Rendite der Idee spielt hier zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Der „affordable loss“, also der gerade noch vertretbare Verlust, bezieht dabei die aktuelle finanzielle Lage, aber auch die Lebenssituation und die individuelle Risikobereitschaft mit ein. Damit trägt dieser Punkt sinnvoller Weise der Unterschiedlichkeit der Unternehmer Rechnung. Hat jemand etwa „Spielgeld“ zur Verfügung oder ist grundsätzlich risikobereiter, sind die verfügbaren Mittel größer als bei jemanden, der bisher knapp kalkulieren musste oder der eher risiko-avers ist.

3. Crazy Quilt (Partnerschaften knüpfen)

Solche Partnerschaften sind im Effectuation-Prinzip nicht etwa strategisch ausgewählte Allianzen, die auf ein großes Ganzes hinarbeiten. Sondern diejenigen Partner, die zueinander passen und Lust haben, mitzumachen. Ähnlich wie bei einem Puzzle oder eben einem Quilt, einer Flickendecke also, entsteht dadurch ein Zusammenspiel von Ideen und Erfahrungen, die am Ende ein erfolgreiches Modell ergeben können.

4. Lemonade (Überraschungen nutzen)

Vielleicht kennen Sie den Spruch „Wenn Dir das Leben Zitronen schenkt, mach‘ Limonade draus“. Das ist mit diesem Prinzip gemeint. Also Überraschungen, insbesondere auch Krisen oder Unwägbarkeiten sollen genutzt werden, um daraus neue, bessere Möglichkeiten zu entwickeln. Mein Lieblingsbeispiel hierfür sind Post-its, die ein Resultat aus versehentlich mangelhaftem Klebstoff sind und heute ein Massenprodukt darstellen.

5. Pilot in Plane (Am Ruder bleiben)

Hier geht es darum, nur das zu tun, was man selbst kontrollieren kann. Anstatt sich auf vage Vorhersagen zu verlassen, konzentriert sich ein Entscheider nach dem Effectuation-Prinzip auf das, was direkt gestaltbar ist – was er selbst steuern kann.

Ich halte Effectuation für einen äußerst relevanten Ansatz, um unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Das gilt natürlich nicht für alle Entscheidungen. Aber für alle, die schwer planbar sind. Deren Rahmenbedingungen sich ständig ändern können und deren Ausgang noch unklar ist. Geschäftsgründungen gehören dazu, aber auch neue Geschäftsmodelle oder Veränderungsprozesse in Unternehmen. Effectuation eignet sich nicht, wenn in einem bekannten Markt ein Geschäftsmodell nachgeahmt werden soll. Dann ist Planung sicher immer noch die bessere Wahl, als effektuieren. Ebenso in solchen Fällen, in denen keine Risiken eingegangen werden dürfen (wobei mein Verdacht ist, dass das weniger Fälle sind, als man zunächst meint). Risikobereitschaft ist gerade in Deutschland immer noch ziemlich verpönt – oft zu Unrecht. Die schleppende Digitalisierung der Finanzbranche zum Beispiel illustriert das.

Natürlich kann Effectuation nicht in jedem Umfeld angewendet werden. Experimente müssen ebenso erlaubt sein, wie das Eingehen von Risiken. Stark hierarchische Organisationen tun sich damit manchmal schwer. Aber auch in ihnen ist Effectuation dann möglich, wenn ein sehr klar definiertes Projekt dafür ausgesucht und mit entsprechenden Rahmenbedingungen versorgt wird. Ich mag ganz besonders den pragmatischen Ansatz von Effectuation. Obwohl wir trotz aller künstlichen Intelligenz und Big Data eben nicht in die Zukunft sehen können, erlaubt der Ansatz Gestaltung und Umsetzung mit dem, was man weiß und was man hat – mit dem Inhalt des Kühlschranks also. Eines sei noch erwähnt: Etwas sollte schon drinnen sein im Kühlschrank. Nur mit Butter und einem abgelaufenen Joghurt wird auch der intuitivste Gründer kein Erfolgsmodell effektuieren können. Aber schon ein paar Gewürze, ein gutes Stück Käse und ein kreativer, kochbegeisterter Freund können aus begrenzten Mitteln ein wahres Geschmacksfeuerwerk zaubern.

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