So geben Sie Ihrem Chef Feedback

So geben Sie Ihrem Chef Feedback

Ihr Jahresendgespräch steht vor der Tür, richtig? Und? Sind Sie zufrieden mit Ihrem Chef? Darum geht es gar nicht, denken Sie? Doch, auch. Jahresendgespräche sind eine hervorragende Gelegenheit, Ihrem Vorgesetzen eine Rückmeldung zu geben, was aus Ihrer Sicht gut und was weniger gut läuft. Denn es gilt der bekannte Satz „Ein Mitarbeiter findet Unternehmen und verlässt Führungskräfte“. Beim Unternehmenswechsel heißt es dann „Die Chemie stimmte nicht“ oder „Mein Chef hat sich nie wirklich mit mir auseinandergesetzt.“ Auf meine Frage „Haben Sie das Ihrem Chef eigentlich mal gesagt?“ antworten viele aber sinngemäß: „Das hätte gar nichts genützt, der war einfach so.“ Andere trauen sich nicht oder sehen sich nicht in der Position, das zu tun.

Das ist schade. Denn viele Führungskräfte erhalten nur noch sehr wenig Rückmeldungen. Je weiter oben in der Hierarchie, desto weniger. Ein enger Freund von mir – Deutschlandchef eines internationalen Konzerns – sagte einmal: „Ich glaube, die meisten meiner Mitarbeiter sagen mir nicht die Wahrheit. Ich wäre dankbar, wenn ich mehr ehrliche Rückmeldungen bekommen würde.“ Meine Vermutung ist, dass seine Mitarbeiter das aber gar nicht wissen. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach („izf Führungs-Studie 2016“ – Was macht Führung zukunftsfähig?“) glauben nur 38 Prozent der befragten, dass ihr direkter Vorgesetzter offen für Kritik ist. Aber 67 Prozent der Führungskräfte glauben das von sich.

Da kann man nur sagen: Los geht’s! Geben Sie Ihrem Chef doch einmal eine ehrliche Rückmeldung. Und so stellen Sie es an:

1. Finden Sie den richtigen Moment

Wie geht es Ihnen, wenn Sie kritisches Feedback erhalten? Durchwachsen, oder? Ihrem Vorgesetzten auch. Auch, wenn er hierarchisch über Ihnen stehen mag. Daher gilt: Kritisches Feedback sollte in einem entspannten Moment und unter vier Augen gegeben werden. Dafür müssen nicht gleich eine Kerze und Kekse auf dem Tisch stehen. Aber ein gemeinsames Meeting zu zweit sollte schon den Rahmen geben – zwischen Tür und Angel wird es entweder nicht gehört werden oder Ihr Chef wird sich überfahren fühlen und auf Durchzug schalten. Ein Jahresendgespräch ist eine von mehreren Möglichkeiten.

2. Nehmen Sie eine wohlwollende Haltung ein

Was für das Feedback von „oben“ nach “unten“ gilt, ist andersherum nicht anders. Wer Feedback gibt sollte sich zunächst bewusst machen: Nahezu niemand verhält sich absichtlich falsch, um einem anderen zu schaden. Sicherlich auch nicht Ihr Chef. Wenn Sie kritisches Feedback geben ist diese Haltung wichtig, damit Sie nicht in ein generelles „Was mich alles schon lange nervt…“ verfallen.

3. Bereiten Sie sich vor

Überlegen Sie sich vorher, welche Punkte Sie zur Sprache bringen wollen und formulieren Sie diese zunächst für sich. Dann fällt es Ihnen im Gespräch auch bei Gegenwind oder einer unerwarteten Reaktion leicht, bei der Sache zu bleiben. Schreiben Sie sich Ihre Punkte und auch die Wortwahl auf. Das strukturiert Ihr Gespräch.

4. Starten Sie positiv

In dem Buch „Wie man Freunde gewinnt“ schreibt Dale Carnegie dazu: „Beginnen Sie jede Kritik mit Lob wie der Zahnarzt mit dem Schmerzmittel.“ Damit ist kein inhaltsloses Einschleimen gemeint. Vielmehr spiegelt das wider, dass Sie ihren Chef nicht grundsätzlich ablehnen, sondern an einer verbesserten Zusammenarbeit interessiert sind. Nutzen Sie die Gelegenheit, ihm Rückmeldung zu geben über das, was hervorragend läuft und Ihnen gut gefällt. Auch Ihr Chef freut sich, wenn er weiß, was gut bei seinen Mitarbeitern ankommt – auch wenn er es im Alltag vielleicht manchmal nicht so zeigt. (Übrigens: Lesen Sie das Buch von Carnegie ruhig einmal. Mich hat es sehr beeinflusst, hier geht’s zur Buchbesprechung im Blog)

5. Formulieren Sie konkret

Dies ist die wichtigste Regel für Feedback: Bleiben Sie konkret. Generelle Bewertungen wie „Sie sind ein Choleriker“, „Sie micromanagen mich andauernd“ oder „Immer sind Sie so vage, dass ich gar nicht weiß, was Sie eigentlich von mir wollen“ sind für Ihren Chef Angriffe, aber kein konstruktives Feedback. Besser ist es, wenn Sie ein ganz konkretes Verhalten zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt zur Sprache bringen. „Als Sie mir das Projekt X übertragen haben, sagten Sie, dass Sie mir das zutrauen. Danach haben Sie mich aber jeden Tag nach dem Stand der Dinge gefragt. Als Projektabschnitt Y nicht zu Ihrer Zufriedenheit verlaufen war, haben Sie diesen selbst übernommen. Dadurch fühle ich mich inkompetent und unsicher. Ich hätte das Projekt auch allein geschafft. Bei Fragen oder Unsicherheiten wäre ich natürlich auf Sie zugekommen.“ Auf dieser Basis können Sie ein konstruktives Gespräch führen. Ausführlich habe ich dazu in einem meiner ersten Blogbeiträge geschrieben. Hier geht es zum Beitrag „Zu viel Gekuschel – die schwierige Kunst des Feedbacks

6. Nennen Sie ein oder mehrere Beispiele

Sollte es tatsächlich um grundlegende Verhaltensweisen gehen, verfahren Sie so konkret wie oben beschrieben und nennen Sie jeweils Beispiele. An diesen Beispielen wird sein Verhalten viel deutlicher, als an generellen „Sie sind“-Aussagen, mit denen er wahrscheinlich gar nichts anfangen kann.

7. Sprechen Sie über sich

Versuchen Sie, das Verhalten Ihres Chefs nicht zu interpretieren („Sie vertrauen mir nicht“), sondern sprechen Sie über sich („Mich verunsichert das, obwohl ich das eigentlich gut kann.“). Keiner wird gern als Person bewertet und interpretiert. Das gilt auch für Ihren Chef. Eine Aussage, die von Ihnen statt von ihm handelt kann Ihr Gegenüber meist viel besser annehmen. Ohne als Person verurteilt oder interpretiert zu werden kann er so sein Verhalten an Ihre Bedürfnisse anpassen.

8. Machen Sie selbst Vorschläge

Die meisten Chefs mögen es, wenn ihre Mitarbeiter mit eigenen Vorschlägen an sie herantreten. Das gilt auch für ein Feedback-Gespräch. Damit helfen Sie Ihrem Vorgesetzten, ohne ihn zu bevormunden. Sagen Sie ihm, was Ihnen helfen würde, was Sie sich wünschen und was er vielleicht machen könnte, damit es beim nächsten Mal besser klappt.

Ich glaube, dass manches Arbeitsverhältnis gerettet und richtig gut hätte werden können. Vielleicht nicht jedes. Aber bevor Sie einen Job aufgeben, der Ihnen ansonsten Spaß macht, probieren Sie es doch ruhig einmal. Viel Erfolg!

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