Technologietrends: Damit müssen sich Manager auseinandersetzen

Technologietrends: Damit müssen sich Manager auseinandersetzen

Es gibt ja viele Beiträge zu vielen Trends. Ich finde es interessant, wie gern die meisten von uns sich mit der Zukunft befassen. Das scheint ein urmenschliches Bedürfnis zu sein. Der Denker Robert Jungk hat sich schon in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts damit befasst. Er schrieb: „Das Morgen ist schon im Heute vorhanden, aber es maskiert sich noch als harmlos, es tarnt und entlarvt sich hinter dem Gewohnten. Die Zukunft ist keine sauber von der jeweiligen Gegenwart abgelöste Utopie: die Zukunft hat schon begonnen. Aber noch kann sie, wenn rechtzeitig erkannt, verändert werden.“ Für die meisten Manager ist es selbstverständlich, sich mit Trends und Prognosen auseinanderzusetzen. Denn nur dann können sie die richtigen Methoden und Prozesse etablieren, die ihr Unternehmen in Zukunft braucht. Das Problem ist: Wie finde ich den für mich relevanten Beitrag? Ich finde, wer wirklich wissen will, was ansteht im digitalen Raum, der braucht eigentlich nur den jährlichen Trendreport von Mary Meeker zu lesen. Die Partnerin der Investmentfirma Kleiner Perkins Caufield & Byers stellt einmal im Jahr im Rahmen der Code Conference vor, womit wir uns in naher Zukunft befassen müssen.

Nun hat sie ihre 2018er Version herausgegeben und hier sind einige Takeaways für Sie:

  • 2017 war das erste Jahr, in dem der Verkauf von Smartphones nicht stieg. Das liegt daran, dass inzwischen so viele Menschen weltweit Smartphonebesitzer sind. Ähnliches gilt für die Steigerungsraten der Internetnutzung. Über die Hälfte der Menschen weltweit sind bereits vernetzt.
  • Gleichzeitig steigt die Zeit, die die Menschen online verbringen. 2017 verbrachten die Menschen im Schnitt 5,9 Stunden täglich im Netz, im Jahr zuvor waren es noch 5,6 Stunden. Die Ursache für den Anstieg ist die Nutzung mobiler Geräte. Die Preise für mobile Endgeräte gehen dabei weltweit zurück. So kommen auch bisher weniger entwickelte Märkte in Schwung.
  • Die Bezahlung via Mobilgeräten wird immer komfortabler. Den Markt führt China an, mit über 500 Millionen aktiven Nutzern mobiler Bezahlsysteme.
  • Smarte Lautsprecher wie Amazon Echo heben ab. Allein vom dritten auf das vierte Quartal 2017 stieg die Anzahl installierter Echo’s in den USA von 20 auf 30 Millionen.
  • Tech-Unternehmen erleben ein „Privatsphären Paradoxon“. Sie sind gefangen zwischen der Nutzung von Daten, um bessere Kundenerlebnisse zu ermöglichen, und der Gewährleistung des Datenschutzes ihrer Kunden.
  • Der Anteil von Tech-Unternehmen in den USA steigt. 25 Prozent des Gesamtbörsenwertes war im April dieses Jahres durch Tech-Firmen abgedeckt, auch der Anteil von Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie Investitionen stieg deutlich.
  • Das Wachstum im Bereich E-Commerce beschleunigt sich weiterhin. 2017 stieg es um 16 Prozent, im Jahr zuvor um 14 Prozent. Dabei wiederum steigt der Anteil von Amazon, der bei 28 Prozent lag. Der Handel physischer Produkte nimmt dabei weiterhin ab.
  • Die großen Tech-Unternehmen duellieren sich an mehreren Fronten. Google beispielsweise entwickelt sich gerade durch Google Home-Ordering zu einer E-Commerce-Plattform, während Amazon ins Anzeigengeschäft einsteigt.
  • Die technologische Disruption beschleunigt sich. Amerikaner brauchten 80 Jahre, bis Geschirrspülmaschinen alltäglich wurden. Das (Consumer-) Internet brauchte dafür nicht einmal eine Dekade.
  • Technologie wird außerdem unsere Art zu arbeiten verändern. Ebenso, wie sich Amerika im vorigen Jahrhundert von der Landwirtschaft zur Dienstleistungsindustrie entwickelte, werden Formen von Arbeit nun wieder im Fluss sein. Online- sowie bedarfsorientierte Tätigkeiten werden den Arbeitsmarkt dominieren.
  • Das Angebot an KI-Services durch Google und Amazon wird steigen, da immer mehr Unternehmen ihre Ausgaben für diese Services erhöhen.
  • China holt technologisch auf und wird zum Mittelpunkt weltweit führender Internetunternehmen. Aktuell sind neun der 20 weltgrößten Internetunternehmen in chinesischer Hand. Die USA halten neun. Noch vor fünf Jahren waren in China zwei und in den USA neun solcher Unternehmen angesiedelt.
  • Einwanderung bleibt für US-amerikanische Tech-Unternehmen wichtig. Über die Hälfte der am höchsten bewerteten US-Unternehmen wurde von Immigranten der ersten oder zweiten Generation gegründet. Uber, Tesla, WeWork und Wish beispielsweise allesamt von Einwanderern der ersten Generation gegründet.

Deutschland liegt bei digitalen Neugründungen zurück

Besonders spannend finde ich die steigende Bedeutung Chinas, die meiner Meinung nach immer noch stark unterschätzt wird. China ist längst kein Produktionsstandort für billige Massenware mehr, sondern beherbergt hoch innovative Industrien. Unternehmen wie Huawei, das 2018 500 Millionen Smartphones absetzen will und gleichzeitig eine hohe Marktmacht im Betrieb und der Sicherheit von Datennetzen hat, belegen das eindrucksvoll. Aus meiner Sicht müssen deutsche Unternehmen ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung deutlich steigern und Innovationen besser vermarkten. Sonst gerät die deutsche Wirtschaft schneller ins Hintertreffen, als wir gucken können. Die gute Nachricht: Bei den weltmarktrelevanten Patenten pro eine Million Einwohner lag Deutschland laut Statistischem Bundesamt 2015 vor den USA und China. Die schlechte: Bei den Neugründungen im Digitalbereich lagen die USA deutlich vor Deutschland. Meiner Meinung nach stehen unsere immer noch ausgeprägte Bürokratie sowie die schleppende Aus- und Fortbildung hervorragender IT-Fachkräfte erfolgreichen Neugründungen im Wege. Außerdem fehlt es oft an Mut und Unterstützung. „Sich selbstständig machen“ – das ist in Deutschland noch immer behaftet mit „ein unkalkulierbares Risiko eingehen“ oder „es im Konzern nicht geschafft haben.“ Das bedaure ich zutiefst und halte es auch für falsch. Die Sicherheit etablierter Firmen ist längst passé, wir brauchen noch viel mehr mutige Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich ganz bewusst für ihr eigenes Business entscheiden. Auch die Gesetzgebung macht es ihnen nicht immer leicht. Statt Gründer zu unterstützen, müssen diese erst beweisen, keine Sozialabgaben hinterziehen zu wollen.

In Deutschland gilt: Sicherheit vor Innovation

Äußerst interessiert verfolge ich auch das Thema Mobile-Banking und Deutschlands zaghafte Entwicklung in diesem Bereich. Zwar holt Deutschland hier auf, aber die großen Sicherheitsbedenken stehen uns auch hier im Wege. So berechtigt die Sorge von Hackerangriffen und Spähprogrammen auf Mobiltelefone sein mag: Sie sollte die Entwicklung in Deutschland nicht ausbremsen, sondern allenfalls verbessern, sonst findet diese Entwicklung ohne deutsche Beteiligung statt.

An beiden Themen kann man beispielhaft sehen: Der Bedarf an hoch qualifizierten IT-Fachkräften hat seinen Zenit längst noch nicht erreicht. Data Scientists zum Beispiel, laut Harvard Business Review „the sexiest job of the 21st century”, sind in Deutschland nur schwer zu kriegen, auch Entwickler sind nach wie vor enorm gefragt. Wer zum Beispiel über Blockchain-Kenntnisse verfügt oder sich mit React Native auskennt, hat es nach unserer Erfahrung sehr leicht, einen Einsatz oder einen hervorragenden Arbeitgeber zu finden. Das gleiche gilt für Experten im Bereich Machine Learning und Shopify.

Ich finde aber auch einen anderen Aspekt wichtig: Die Zeit, die wir online verbringen, steigt kontinuierlich an – allen Warnungen zum Trotz. Das heißt, wir müssen lernen, „online zu leben“. Neue Methoden der Zusammenarbeit, neue Führungsmodelle, neue Erziehungsgrundsätze, veränderte Anforderungen an Selbstorganisation und Abgrenzung sind nur einige der notwendigen Folgen davon. Ich wünsche mir, dass Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hier tatkräftiger und fortschrittlicher agieren, als bisher. Ich persönlich jedenfalls möchte diese Entwicklungen für mich nutzbar machen, anstatt sie als ständige Bedrohung abzulehnen. Vielleicht ist das die wichtigste Aufgabe für Manager und alle anderen, der wir uns derzeit stellen müssen.

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Bildquelle: g-stockstudio / Shutterstock