Job Interviews führen - Wie ich erfahre, was ich wissen will (2)

Job Interviews führen – Wie ich erfahre, was ich wissen will (2)

Im ersten Teil meines Beitrags über das Führen von Vorstellungsgesprächen habe ich über die richtige Vorbereitung, Gesprächsatmosphäre und das Prinzip des Behavioral Based Interviews, mit dessen Hilfe man tatsächlich etwas über den Kandidaten erfährt, geschrieben. Heute geht es weiter mit der STAR-Fragetechnik, dem Umgang mit Gesprächspausen, Flexibilität, ein paar Don‘ts und der Bedeutung der Körpersprache:

6. Sterne, Kunst und Ratten: So erhalten Sie konkrete Antworten

Kennen Sie Fernsehinterviews mit Stars, bei denen Sie am Ende nichts erfahren haben? Oft fragt der Interviewer dann Fragen, auf die der Interviewte sehr allgemein antworten kann – meist klangvoll, so dass es zunächst nicht auffällt. Halb so schlimm, ist ja nur Fernsehen. Für ein Job Interview ist das aber ärgerlich. Verwenden Sie, um das zu vermeiden, die so genannte STAR-Methode. Eine Antwort nach dieser Methode enthält die Situation, von der der Kandidaten erzählt, seine Aufgabe („Task“) darin, sein Vorgehen, also „Action“ und das Resultat. Antworten, die diese Elemente erhalten, geben am meisten Auskunft über das, was der Kandidat kann. Und: Ihr Gesprächspartner kommt ins konkrete Erzählen. „Wie gehen Sie mit Situationen um, in denen die Anforderungen an die IT-Abteilung nicht mit den technischen Möglichkeiten umsetzbar sind?“ Auf diese Frage erhalten Sie keine STAR-Antwort, sondern – Verzeihung – allgemeines Blabla. Fragen Sie stattdessen: „Als Sie Systemadministrator bei Firma XY waren: Welche Anforderungen an Ihre Abteilung gab es, die Sie mit den technischen Möglichkeiten gar nicht erfüllen konnten?  Was haben Sie genau gemacht, als man Sie mit der Aufgabe betraut hatte? Und wie ist es ausgegangen?“ Erst, wenn Sie auf alle Teilfragen eine Antwort haben, haben Sie einen „STAR“ und damit eine gute Information über diese Fähigkeit des Kandidaten. Natürlich ist das ein idealtypischer Ablauf. Es kann auch „ARTS“-Antworten geben oder „RATS“. Wichtig ist, dass Sie so fragen und nachfragen, dass Sie vollständige Antworten erhalten.

7. Erlaubt: Gesprächspausen

Jeder kennt sie, niemand mag sie: die peinliche Gesprächspause. Dabei ist sie so wertvoll! Antwortet Ihr Kandidat nicht sofort, bleiben Sie cool und lassen Sie ihm Zeit. Eigentlich spricht es für den Kandidaten, wenn er nicht auf jede Frage sofort eine Antwort parat hat und wie aus der Pistole geschossen (oder auswendig gelernt) damit heraus schießt. Auch Ihnen gibt die Pause einen Moment Ruhe, um das Gehörte sacken zu lassen, kurz zu prüfen, wo Sie noch einmal nachhaken wollen oder einfach einmal die Gesprächsatmosphäre auf sich wirken zu lassen. Erst, wenn der Kandidat sichtlich nervös wird, helfen Sie ihm aus der Pause durch Umformulierung der Frage oder einem Themenwechsel.

8. Im Dialog: Geschmeidig bleiben

Eine gute Vorbereitung, klare Vorstellungen vom Ergebnis des Interviews, ein Leitfaden: All das ist notwendig, darf aber nicht zu einem steifen, einseitigen Gespräch führen. Vorstellungsgespräche, in denen sich der Interviewer abarbeitet an seinem Fragenkatalog sind erstens nicht so ergiebig und zweitens unangenehm für alle. Gehen Sie daher in den Dialog mit dem Kandidaten. Lassen Sie ihn ausreden und stoppen Sie ihn nur, wenn er ausschweifend  wird. Bleiben Sie auch offen für seine Fragen, Anmerkungen oder unerwarteten Geschichten. Zwischendurch können Sie prüfen, ob Sie Ihre relevanten Fragen geklärt haben. Dabei ist die Reihenfolge nicht so wichtig. Ausnahme: Ihr Gesprächspart. Der Teil, in dem Sie ausführlich von der Stelle und ihren Rahmenbedingungen erzählen, sollte ganz zum Schluss kommen. Sonst muss der Kandidat ja nur noch „hineinantworten“ in Ihre Ausführungen. Und: Fangen Sie möglichst mit sachlichen Fragen an und kommen Sie zu den persönlichen, wenn Ihr Kandidat nicht mehr nervös ist. Von diesen beiden Aspekten abgesehen gilt: Bleiben Sie flexibel. So verläuft Ihr Gespräch auf Augenhöhe, wirkt weder von oben herab, noch unsicher und gibt damit am meisten Informationen her.

9. Don’ts: Suggestivfragen und geschlossene Fragen

„Haben Sie schon einmal schwierige Situationen mit Ihrem Vorgesetzten meistern müssen?“ „Nein, eigentlich nicht.“ Hm. So eine geschlossene Frage führt Sie nicht weit. Sicher kennen Sie die W-Fragen. Nehmen Sie die! Im Beispiel heißt die Frage dann: „Welche Situation fällt Ihnen ein, bei der Sie eine schwierige Situation mit Ihrem Vorgesetzten zu meistern hatten? Was haben Sie gemacht? Und wie ist es ausgegangen?“ Ebenfalls überflüssig im Bewerbungsgespräch sind Suggestivfragen. Das sind die, bei denen die Antwort bereits enthalten ist. „Sie spielen Basketball, da müssen Sie ja ein guter Teamplayer sein, stimmt’s?“ Unterstellen Sie also keine Antworten und nehmen Sie nichts vorweg!

10. Bedeutung von Körpersprache

Last but not least möchte ich noch auf die Bedeutung von Körpersprache im Vorstellungsgespräch eingehen. Früher galt: Der Kandidat hatte eine offene, entspannte Sitzhaltung einzunehmen, sonst galt das Gespräch schon als verloren. Heute gilt: Kandidaten sollten authentisch bleiben und lediglich grobe Schnitzer vermeiden. Grobe Schnitzer sind: Der Kandidat erwidert nicht ein einziges Mal Ihren Blick, er hält seine Arme während des gesamten Gesprächs verschränkt oder hat durchgängig seine Hand an Nase oder Mund. All das weist auf eine so starke Verunsicherung hin, dass man sie kaum noch auf die besondere Situation des Bewerbungsgesprächs zurückführen kann. ABER: Jedem sei gestattet, zwischendurch einmal seine Arme zu verschränken, um sich innerlich kurz zurückzuziehen. Oder den Blick auf die leere Wand zu lenken, um sich gedanklich zu sammeln. Oder sich an die Nase zu fassen, weil ein Aspekt unangenehm ist. Bewerten Sie nur extreme Ausprägungen der Körpersprache. Schließlich sitzt Ihnen kein Roboter gegenüber, sondern ein Mensch.

Dieser letzte Aspekt ist übrigens einer, den sie nie vergessen sollten. Sprechen Sie mit Ihrem Gesprächspartner auf Augenhöhe. Sie können es sich nicht leisten, unprofessionell oder herablassend zu sein. Ein Vorstellungsgespräch ist auch ein Pitch, in dem Ihre Job Opportunity, Ihr Unternehmen und letztlich Sie selbst im Wettbewerb mit anderen Jobanbietern stehen. Alle guten Bewerber haben Alternativen. Auch Sie müssen sich also positiv vermarkten und gleichzeitig möglichst viel über die Motive und Ziele Ihres Gesprächspartners erfahren. Nur dann können Sie die richtigen Attribute betonen und das neue Talent in Ihr Team holen.

Übrigens: Ein positiver Eindruck im Vorstellungsgespräch erhöht nicht nur die Leistungsbereitschaft des Mitarbeiters später im Job, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, im Unternehmen zu bleiben. Und zwar um 40 Prozent.

In diesem Sinne: viel Erfolg!

 

Bildquelle: Pokomeda / Shutterstock