Was ist eigentlich Erfolg? John Wooden weiß es

Was ist eigentlich Erfolg? John Wooden weiß es

“Wooden on Leadership”- eine Buchbesprechung

Heute stelle ich Ihnen ein Buch vor, das den Begriff des Erfolgs neu definiert. Es hat mich nachhaltig beeindruckt und inspiriert. Geschrieben ist es von John Wooden, dem ehemaligen Cheftrainer der UCLA-Basketballmannschaft. Einem der erfolgreichsten Basketball-Trainer der Welt also. Es gibt ja so manche Sportler oder Sport-Trainer, die nach dem Ende ihrer Karriere ein Buch über Führung und Management schreiben. Die Analogie bietet sich einfach an, welcher Manager hätte nicht schon einmal das Gefühl gehabt, einen Berg zu erklimmen, einen Marathon zu laufen oder einen Mannschaftssport zu betreiben? Dieses Buch ist etwas Besonderes: „Wooden on Leadership“ heißt es und der Titel ist fast bescheiden, denn Wooden entwickelt Führungsansätze und Definitionen, die längst Bestandteil vieler Management- und Führungsschulen geworden sind, unter anderem seine „Pyramide des Erfolgs“. Seine ehemaligen Spieler sagen über Wooden, er habe sie niemals gedrängt, zu gewinnen. Stattdessen habe er sie dazu angehalten, ausnahmslos das Beste zu geben. „Take care of the process and the result will take care of itself“, sagt er. Hier fasse ich die für mich wichtigsten Essenzen aus dem Buch für Sie zusammen und hoffe, auch Sie damit zu inspirieren!

Als John Wooden so erfolgreich geworden war, dass er ein Star – ein „Celebrity“ – wurde, wusste er, dass er sich der Öffentlichkeit entziehen musste. Er wollte kein Star sein. Er war der erfolgreichste Basketballtrainer aller Zeiten gewesen und sein Erfolg basierte unter anderem auf seiner außerordentlichen Ausgeglichenheit. Er empfand immer, dass er nur erfolgreich sein kann, wenn er Körper, Geist, Seele und Karriere im Einklang behielt. Als Star ging das nicht, also hörte er auf. Zum Glück, denn das gab ihm die Möglichkeit, seine Erkenntnisse über die Führung erfolgreicher Teams in Worte zu fassen und allen zugänglich zu machen.

Ein Meister der vier P‘s

Eigentlich hatte Wooden keinen Siegeswillen, jedenfalls nicht im klassischen Sinne (was erstaunlich ist für jemanden, der mehr Siege eingefahren hat, als jeder andere Coach jemals). Der tatsächliche Wettbewerb ist für ihn nicht der gegen die Gegner, sondern der gegen sich selbst. Wer immer nur auf das Ergebnis schaut, so seine Haltung, übersieht die notwendigen Details, die uns das eigene Potenzial entfalten lassen. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte er den Ehrgeiz, Meister der vier P’s zu werden: Planning, Preparation, Practice und Performance – also Planung, Vorbereitung, Durchführung und Ergebnis. Niemals betrachtete er nur einen dieser vier Aspekte isoliert.

Was ist Erfolg?

Dabei war es für ihn wichtig, Erfolg zunächst korrekt zu definieren. Der Grund: Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn, noch als Englisch- und später als Sportlehrer, erhielt er immer wieder Beschwerden von Eltern. Sie waren unzufrieden mit den Noten oder Ergebnissen ihrer Sprösslinge, und zwar häufig gerade dann, wenn diese das Maximum aus ihren Möglichkeiten herausgeholt hatten. Die Eltern waren auf Ergebnisse fokussiert, statt auf die Möglichkeiten ihrer Kinder und deren Prozesse. Wooden fand das falsch, und so entwickelte er eine ganz eigene Definition von Erfolg. Erfolg ist nach Wooden die Fähigkeit, das Beste aus den eigenen Möglichkeiten zu machen. Um das zu erreichen entwickelte er eine Pyramide – die Pyramide des Erfolgs („Pyramid of Success“).

Die Pyramide des Erfolgs

The Pyramid of Success“ ist in der US-amerikanischen Führungslehre ein bekanntes Instrument, um Erfolg zu definieren. Zu Recht, wie ich finde. Wooden sagt, dass ein Stein im oberen Bereich der Pyramide vollkommen nutzlos ist, wenn die Basis nicht stimmt. Insgesamt besteht die Pyramide aus 15 Steinen. Ich stelle Ihnen die Pyramide nachfolgend in aller Kürze von unten nach oben einmal vor. Für einen näheren Blick klicken Sie bitte auf den Link weiter oben oder hier.

1. Fleiß:

Wooden wuchs auf einer Farm auf, dort lernte er, wie wichtig Fleiß ist. Er sagt: „Es gibt keinen Ersatz für Arbeit. Wertvolles entsteht aus harter Arbeit und sorgfältiger Planung.“

2. Enthusiasmus:

Wenn man sich nicht für seine Arbeit begeistern kann, sei die Reise zum Erfolg zu lang, so Wooden. Und: „Dein Herz muss Teil Deiner Arbeit sein. Rege andere mit an!“

3. Freundschaft:

Eine Führungskraft muss für Teamarbeit und ein Gruppengefühl sorgen. Man braucht eben zehn Hände, um den Korb zu treffen. „Freundschaft entsteht aus gegenseitiger Anerkennung, aus Respekt und Zuwendung“ sagt Wooden.

4. Loyalität:

Damit ist nicht die klassische Loyalität zu einem Arbeitgeber gemeint, sondern Loyalität gegenüber dem eigenen Team. Und gegenüber sich selbst!

5. Kooperation:

Laut Wooden gelingt es vielen Führungskräften nicht, eine kooperative Grundstimmung zu implementieren. Dabei hält er es für essenziell, „mit allen Levels zu kooperieren, sich gegenseitig zu helfen und die jeweils andere Seite zu sehen“.

6. Eigenkontrolle:

Um durchgängig Leistung sicherzustellen, müsse man seine Gefühle unter Kontrolle haben, so Wooden. Es gelte, eine „feine Abstimmung zwischen Körper und Geist“ sowie „Vernunft und Urteilsvermögen“ zu halten.

7. Wachsamkeit:

Hier geht es darum, Möglichkeiten zu ergreifen, die sich bieten. Dafür müsse man die Dinge konstant beobachten und eingreifen, falls notwendig sowie Chancen ergreifen, wenn möglich.

8. Initiative:

Die Angst vor Fehlern dürfe niemals über Handlungsfähigkeit dominieren. Die „Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen“ soll kultiviert werden, ebenso wie „der Wunsch, hervorragende Leistung zu erbringen“.

9. Entschlossenheit:

Hier geht es darum, auch bei Gegenwind zu bestehen. Es sei „die Fähigkeit, Versuchungen zu widerstehen und auf Kurs zu bleiben. Sich auf sein Ziel zu konzentrieren und entschlossen zu bleiben“.

10. Verfassung:

Wooden hat selbst erlebt, dass es physisch, mental und auf moralischer Ebene wichtig ist, in guter Kondition zu sein. Nur dann könne man überdurchschnittliche Leistungen vollbringen. Es geht um eine Ausgewogenheit zwischen körperlicher Aktivität, Pausen und guter Ernährung, ebenso wie um Maßhaltung und Disziplin.

11. Befähigung:

Nicht eine. Laut Wooden geht es darum, so viele Fähigkeiten wie möglich zu entwickeln. Und zwar jenes Wissen und jene Fähigkeiten, die es braucht, um die grundsätzlichen Aufgaben umzusetzen. Nicht nur oberflächlich, sondern im Detail.

12. Teamgeist:

Der Star eines Teams ist das Team selbst, so sein Credo. Dabei kommt es laut Wooden darauf an, dass alle den Ehrgeiz haben, die Interessen, das Wohlbefinden und den persönlichen Erfolg aller zu erfüllen.

13. Haltung:

Wooden geht es darum, man selbst zu bleiben („be yourself“) und zwar unter allen Umständen. Auf keinen Fall solle man gegen sich selbst ankämpfen.

14. Selbstvertrauen:

Selbstvertrauen muss man sich laut Wooden verdienen. Denn er meint damit das Wissen, dass man alles in seiner Macht stehende unternommen hat, um erfolgreich zu sein. Dazu zählen Respekt ohne Angst und gute Vorbereitung. Auf keinen Fall sei Selbstvertrauen mit Überheblichkeit zu verwechseln.

15. Wettbewerbserfolg:

Für Wooden heißt das, genau dann das Beste zu geben, wenn es gebraucht wird. Dazu gehört auch, große Herausforderungen zu mögen und nicht etwa bloß auszuhalten.

Zuhören und Fokus auf Details als Schlüssel zum Erfolg

Natürlich gibt Wooden auch ganz praktische Hinweise, wie man diese Pyramide „bauen“ kann. Dabei ist er äußerst detailorientiert. Als Basketball-Coach ging er so weit, seinen Teams zu erklären, wie sie ihre Socken so zusammenlegen, dass sie keine störenden Falten bilden. „Große Leistungen und Produktivität werden nur erreicht, wenn man sich mit kleinen, aber relevanten Details identifiziert und diese perfektioniert – Kleinigkeiten gut macht.“, so Wooden in seinem Buch. Ich persönlich bin der Meinung, dass man das etwas differenzierter sehen muss. Nicht jede Führungskraft muss sich in jedem Detail – etwa der detaillierten Buchhaltung – auskennen oder sich womöglich einmischen. Dafür gibt es qualifizierte Mitarbeiter. Aber, und da bin ich wieder ganz bei ihm: Jedem noch so kleinen Detail sollte Bedeutung beigemessen werden. Ein Unternehmen funktioniert nur, wenn alle Vorgänge professionell erledigt werden, die kleinen wie die großen. Dafür zu sorgen, ist Aufgabe jeder Führungskraft.

Zudem schreibt er: „Every minute counts“. Sowohl im Business, als auch im Sport komme es darauf an, so zu arbeiten, als ob man keine Zeit zu verlieren hat. Dabei ist nicht Hektik gemeint, sondern die Fähigkeit, sorgsam mit seiner Zeit umzugehen. Zudem plädiert er fürs Zuhören. Er geht davon aus, dass jede Führungskraft ständig lernen kann und muss, und zwar von allen Menschen, die sie trifft. Wer glaubt, alle Antworten zu haben, stellt nicht mehr die richtigen Fragen und hört auf, zu lernen.

Gewinnen als Nebenprodukt von Leistung

Und ein weiterer Ansatz ist für ihn stets wichtig: „Deine Handlungen definieren Deinen Charakter“. Wooden ist überzeugt, dass er niemanden etwas lehren kann, was er nicht selbst vorlebt. „A good demonstration tops a great descritpion“ schreibt er. Und so plädiert er auch dafür, die richtigen Verhaltensweisen, Werte und Handlungen zu belohnen – und eben nicht den Sieg. Für mich ist dies das eigentliche Fazit des Buches, das ich mit Begeisterung gelesen habe: Gewinnen ist ein Nebenprodukt. Konzentriere Dich auf die Leistung.

Abschließend möchte ich Ihnen noch einen TED Talk aus dem Jahr 2001 empfehlen, in dem Wooden unter anderem über seine Definition von Erfolg spricht. Wie es der Zufall will schrieb ich kürzlich über TED Talks, also die Präsentations-Kurzformate. Wer wissen möchte, was TED Talks sind: Bitte hier entlang. Und hier geht es zum TED Talk von Wooden. Bis Minute 3:45 spricht er über Erfolg. Es ist beeindruckend, ihm zuzuhören, immerhin ist er zu diesem Zeitpunkt schon über 90 Jahre alt! Hören Sie einmal hinein.

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Bildquelle: Photo Works / Shutterstock