Wie introvertierte Menschen Einfluss gewinnen

Wie introvertierte Menschen Einfluss gewinnen

Ein ehemaliger Mitarbeiter von mir hat gerade einen großen Karrieresprung gemacht. Jürgen führt jetzt über 80 Mitarbeiter und verantwortet spannende technische Projekte. Interessant daran ist, dass er ein eher introvertierter Mensch ist. Erfolgreiches Selbstmarketing war für ihn lange eine große Hürde. Gute Selbstdarsteller haben aber häufig die besseren Karten, wenn es um Beförderungen geht. Diese Erfahrung musste auch Jürgen in den letzten Jahren machen. Trotz seiner hohen Expertise musste er einiges verändern, um den Schritt auf der Karriereleiter zu machen.

Studien belegen, wer schnell und laut spricht, wird als kompetenter wahrgenommen, als interessanter und sogar besser aussehend. Die amerikanische Juristin und Buchautorin Susan Cain verweist aber auch auf zahlreiche Studien, die die Vorzüge eines introvertierten Führungsstils belegen. Introvertierte sind laut Cain gute Zuhörer, die in Ruhe reflektieren und analysieren bevor sie eine Entscheidung treffen. Man könnte auch sagen, sie denken erst und reden dann. Leise Menschen sind wie Akkus, die am besten in Ruhe arbeiten. Extrovertierte dagegen wie Windräder, die vom Wind der Außenwelt angetrieben werden. Introvertierte brauchen Sicherheit und sind deshalb eher vorausschauend. Laute Menschen dagegen sind eher belohnungsorientiert und risikobereiter. 

In bester Gesellschaft

Analytisches Denken, Beharrlichkeit, Einfühlungsvermögen, Gelassenheit und Weitblick. Das sind Eigenschaften, die schon viele introvertierte Menschen weit gebracht haben. Ghandi, Albert Einstein, Woody Allen, Bill Gates, Günther Jauch und Loriot gelten als introvertiert. Auch Angela Merkel und Barack Obama gehören in die Gruppe der leisen Menschen. Es gibt reihenweise sehr erfolgreiche Menschen, die in einer Umwelt brillieren, die wir eher mit extrovertierten Merkmalen verbinden. Sie alle sind gute Beispiele dafür, was ein Mensch erreichen kann, der das Beste aus seinen Stärken macht und weiß, was er will. Es gibt einen leisen und einen lauten Willen zur Macht. Obama, Merkel oder Gates wären ohne einen ausgeprägten Machtwillen nicht dort gelandet, wo sie heute sind.

Raus aus der Komfortzone

Vor einigen Monaten hatte ich Jürgen auf einer Konferenz getroffen. Am Rande der Veranstaltung sprachen wir darüber, dass er beruflich stillstehe und seine Karriere sich nicht so entwickelte, wie er sich das wünschte. Aus einem kurzen Smalltalk wurde ein sehr intensives Gespräch, in dem wir gemeinsam eine Strategie entwickelten, wie er sich zukünftig stärker bemerkbar machen könne, ohne sich dabei unwohl zu fühlen. Als er mir nun von seiner Beförderung berichtete, erzählte er mir auch, dass unser Gespräch ihm die entscheidenden Impulse gegeben hätte. Aus diesem Input hat er für sich fünf Punkte abgeleitet, die er nun einige Monate routiniert umsetzt. Mit Erfolg!

1. Zeit nehmen, Ruhe schaffen

Die ganz normale Hektik in einem Büro war für Jürgen oft eine Herausforderung. Sich auf die eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren fiel ihm schwer während auf dem Flur ein ständiges Kommen und Gehen war. Jetzt hat er es geschafft, mehr Routine in seinen Alltag zu bringen und sich Rückzugsräume und Zeitfenster zu schaffen, die es ihm erlauben, sich ganz auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Morgens trinkt er den ersten Kaffee in der Teeküche und pflegt so die Kontakte zu seinen Kollegen und Mitarbeitern. Danach schließt er die Tür zu seinem Büro für mindestens eine Stunde und strukturiert und organisiert seinen Tag. Wenn es nötig ist, bleibt die Tür auch länger zu. So schafft Jürgen sich die nötige Ruhe, um konzentriert an den Projekten arbeiten zu können. Bei den Kollegen ist er damit auf großes Verständnis gestoßen. 

2. Kein Perfektionismus mehr

Introvertierte Menschen neigen dazu, besonders genau und perfektionistisch zu sein. Es ist ehrenwert, eine Sache gründlich und ausführlich erledigen zu wollen. Dieser Perfektionismus wirkt aber oft wie ein Bremsklotz. Ich habe ihm gesagt, dass es wichtiger ist, Projekte abzuschließen, statt ewig an ihnen herum zu feilen. Denn nur abgeschlossene Projekte sind erfolgreich. 

3. Taten, statt Worte

Jeder kennt Menschen, denen es leichtfällt, mit Worten zu überzeugen und Menschen zu begeistern. Auch Jürgen wünschte sich ein bisschen mehr von diesen Fähigkeiten. Ich habe ihm gesagt, dass Taten wichtiger sind als Worte. Wer gut in seinem Job ist, wird auch gesehen. Leere Worthülsen passen nicht zu Menschen wie Jürgen. Introvertierte glänzen mit etwas, auf das es wirklich ankommt: mit Wissen und Fähigkeiten. 

4. Training der Extraversion

Introversion und Extraversion sind zwar charakterliche Grundzüge, aber die meisten Menschen sind nicht bloß das eine oder das andere. Sie sind eine Mischung aus beidem, wobei eine Seite in den meisten Situationen überwiegt. Introvertierte Menschen können ihre extrovertierte Seite gezielt trainieren. Jürgen hat das gemacht, in dem er häufiger über seinen Schatten gesprungen ist. Im Meeting hat er häufiger seine Meinung gesagt und auch vertreten. Auf Netzwerkveranstaltungen, die er früher gerne gemieden hat, spricht er gezielt mit völlig Fremden und statt lange Mails zu schreiben, greift er jetzt häufiger zum Telefon.

5. Kontakt zu den Kollegen

Der wohl wichtigste Rat war aber folgender: Sprich mit deinen Kollegen. Erkläre ihnen, dass du den Kontakt mit ihnen sehr schätzt, aber ein hohes Ruhebedürfnis hast, um konzentriert arbeiten zu können und deshalb regelmäßig deine Tür geschlossen ist. Gehe offen mit deinen Bedürfnissen um, nur so kannst du sicher sein, dass sich keiner vor den Kopf gestoßen fühlt. 

Bei Jürgen hat das bestens funktioniert. Mit der richtigen Einstellung und Arbeitsumgebung konnte er seine Fähigkeiten erfolgreich einsetzen und Mitarbeiter wie Vorgesetzte überzeugen.

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