Ziele erreichen, Probleme lösen. Principles - Eine Buchbesprechung

Ziele erreichen, Probleme lösen. Principles – Eine Buchbesprechung

Ich hatte Ihnen ja versprochen, dass ich meine in der Weihnachtspause gelesenen Bücher nach und nach hier auf dem Blog vorstelle. Ich fange mit dem an, das mich am meisten überrascht hat: „Principles: Life and Work“ von Ray Dalio (Simon & Schuster, 2017). Überrascht hat es mich deshalb, weil es im Vergleich zu anderer Managementliteratur sehr persönlich und ehrlich ist. Ray Dalio ist Gründer und Inhaber des Unternehmens Bridgewater Associates, einem der größten Hedgefonds der Welt. Er selbst gehört zu den reichsten hundert Menschen weltweit. Eine Erfolgsstory also, die ihresgleichen sucht. In seinem Buch fasst er die Erkenntnisse und Prinzipien zusammen, auf denen dieser wirtschaftliche Erfolg fußt.

Am nachhaltigsten hat sein Fünf-Schritte-Plan zur Zielerreichung auf mich gewirkt, ich habe ihn bereits bei uns im Unternehmen vorgestellt und mit Leben gefüllt. Er spiegelt Dalios unumstößliche Zielorientierung und seinen kompromisslosen Ansatz, Probleme anzugehen, wider. Und der sieht so aus:

(Bildquelle: Buch „Principles: Life and Work“, Ray Dalio, Simon & Schuster, 2017)

Fünf-Schritte-Plan zur Zielerreichung:

I. Habe klare Ziele

Er schreibt dazu: „Sei mutig. Wenn Du denkst, etwas sei nicht zu schaffen, dann bezieht sich das nur auf das, was Du jetzt gerade weißt. Erst wenn Du losgehst, wirst Du Pfade finden, die Du vorher gar nicht sehen konntest“. Dabei sei es wichtig, so Dalio, Ziele nicht mit Aufgaben zu verwechseln. Das sehe ich ganz genauso. Eine gute Zielformulierung zeigt in eine Richtung, sie beschreibt klar, wo man hin will – aber sie ist keine Aufgabenbeschreibung. Es ist wichtig, dass man ein Ziel gut formulieren kann. Ist es unklar oder schwammig, weiß keiner, wohin es gehen soll und was es für ihn konkret bedeutet. Ist es aber zu eng, entfaltet keiner Kreativität.

II. Identifiziere Probleme, die im Wege stehen und toleriere sie keinesfalls

Zu diesem Thema schreibt Dalio sehr ausführlich, wie sehr unser Ego uns oft im Wege steht, um Probleme überhaupt zu erkennen. Und das führt dazu, dass wir uns von unserer Zielerreichung entfernen. Konkret schreibt er: „Du musst wissen, dass Du selbst den bestmöglichen Weg nicht kennst. Sei Dir bewusst, dass Deine Fähigkeit, mit diesem Nichtwissen umzugehen wichtiger ist als alles, was Du weißt.“ Dalio strebt stets die objektive Wahrheit einer richtigen Entscheidung an. Dafür braucht es nach Dalio aufmerksamen Widerspruch („Thoughtful Disagreement“). Er schreibt: „Mir ist es egal, ob die richtige Antwort von mir selbst kommt. Ich habe gelernt (…), andere auf meine eigenen Lücken hinweisen zu lassen.“

Das ist laut Dalio schwieriger, als es sich zunächst anhört. Denn genau an diesem Vorgang hindert uns unser Ego. Wir müssen, um uns radikal hinterfragen zu lassen, unsere Schwächen und Fehler genau anschauen. Das vermeiden die allermeisten Menschen mit aller Kraft. Sich damit zu befassen verursacht nämlich Schmerzen, wie er sagt („pain“). Dazu schreibt er den wie ich finde großartigen Satz: „Fehler und Schmerzen sind die Mahnung der Natur, zu lernen. Du musst über Deine Fehler reflektieren und Lösungen entwickeln, um zu wachsen.“ Diese Haltung im Kontext eines Wirtschaftsunternehmens ist aus meiner Sicht bemerkenswert und geht über die immer wieder postulierte Fehlertoleranz weit hinaus. Dazu gehört nämlich Selbstbewusstsein, mehr, als viele haben. Führungskräfte und Mitarbeiter aller Levels müssen in der Lage sein, die eigene Meinung und Haltung klar zu formulieren und weder unter noch über die der vermeintlichen Gegner zu stellen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kenne nicht so viele Leute, die das können. Nur so aber können wir in Organisationen Fehler und Probleme erkennen und lösen.

III. Untersuche diese Probleme sehr genau und versuche, an die tatsächliche Ursache zu gelangen

Es geht also um eine ehrliche und gründliche Diagnose, wie ein Problem oder eine Hürde entstanden ist. Für Dalio ist es Aufgabe jeder Führungskraft, seine Mitarbeiter geradezu zu ermuntern, eine ehrliche Rückmeldung zu geben. Radikale Ehrlichkeit und größtmögliche Transparenz sind dafür unumgänglich.

Dalio schreibt: „Für mich ist eine gute zwischenmenschliche Beziehung eine, die offen und ehrlich ist. Dergestalt, dass man direkt zueinander sein kann. (…) Beziehungen, die aus einer Fassade aus Höflichkeit bestehen und in denen niemand sagt, was er wirklich denkt, habe ich nie geschätzt. Ich habe immer frei heraus gesprochen und das auch von meinen Gesprächspartnern erwartet. Wenn ich dumm fand, was jemand getan hat, habe ich das immer gesagt und erwartet, dass andere mir ebenfalls sagen, wenn ich etwas Dummes gemacht habe. Und das habe ich (…). So sehen für mich produktive Beziehungen aus. Alles andere ist in meinen Augen unproduktiv und ethisch verwerflich.“ Das ist eine Ansage, oder? Ich komme später noch einmal darauf.

IV. Entwickle Pläne, um Probleme zu meistern

Hierzu schlägt Dalio vor, das bisherige Vorgehen wie einen Film noch einmal zu rekapitulieren. Was haben wir gemacht, um dort hinzukommen, wo wir stehen? Daraus gilt es dann, ganz konkrete Pläne für jeden einzelnen zu entwickeln. Diese sollen laut Dalio von ganz oben nach ganz untern heruntergebrochen werden. So ist sichergestellt, dass jeder entsprechend seiner Funktion Verantwortung übernimmt.

V. Unternimm alles Notwendige, um diese Lösungswege in die Tat umzusetzen und in Resultate münden zu lassen

Versteht sich von selbst, denken Sie? Ich glaube nicht. Schon oft habe ich erlebt, dass nach klarer Zieldefinition, umfangreicher Fehlerdiagnose und Aktionsplanung genau dort aufgehört wird. Dalio sagt dazu, dass eine priorisierte To-Do-Liste und vor allem ein klares Messsystem notwendig sind, damit alle ihren Erfolg damit abgleichen können. Damit hat er bei mir offenen Türen eingerannt. Wir bei der top itserives AG machen das so schon lange, aber es ist gut, das noch einmal in diesem Kontext bestätigt zu sehen.

Ich möchte noch kurz auf Dalios Forderung eingehen, so radikal ehrlich zu sein. Ich sehe das durchaus auch kritisch. Denn es erfordert, dass alle Beteiligten so zusammenarbeiten wollen und können. Das Prinzip funktioniert ja nicht einseitig – wenn einer ehrlich ist und der andere höflich, kippt es. Und trotzdem: Widerstand und Kritik als wertvollen Austausch zu sehen, statt als Verletzung des eigenen Egos ist sicher eine Kunst, die zu Erfolg führt.

„Pain + Reflection = Progress“

Dalio gibt in seinem Buch wertvolle Hinweise, wie wir derart selbstkritisch sein können. Introspektion gehört in diesem Zusammenhang für ihn zu den wichtigsten Qualitäten eines Managers. „Wer ein Jahr zurückblickt und nicht erschrocken ist, wie dumm er zu der Zeit war, kann nicht viel gelernt haben“, so Dalio. „Pain + Reflection = Progress“ lautet seine Formel und er erinnert daran, dass eine Kultur, in der Fehler und Dummheit nicht erlaubt sind, keine erfolgreiche Kultur sein kann. Zusammenfassend postuliert er, dass man die Realität annehmen und aus ihr lernen sollte. Dabei sollen wir nicht die Wahrheit mit dem verwechseln, was wir wünschen, dass es wahr wäre. „Kümmere Dich nicht darum, gut auszusehen – kümmere Dich darum, Deine Ziele zu erreichen. (…) Lass‘ Schmerz dem Fortschritt nicht im Wege stehen und gib niemand anderem als Dir selbst die Schuld für schlechte Ergebnisse.“

Mit dieser Haltung kann ich mich voll und ganz identifizieren. Wir müssen, um erfolgreich zu sein, der Realität ins Auge schauen. Und selbstverständlich tragen Manager die Verantwortung für ihre Entscheidungen – auch, wenn sie bei der Umsetzung nicht mehr an jedem Detail beteiligt waren.

Hoher Anspruch, tolle Kritiken

Insgesamt bin ich von Dalios Prinzipien fasziniert, aber auch hin- und hergerissen. Denn – und das schreibt er auch selbst im späteren Verlauf – er hat einen regelrecht technokratischen Blick auf Organisationen. Das schließt Prozesse, die Kultur und die Menschen mit ein. Jedes Problem wird wie ein technisches Problem gesehen und behandelt. Meiner Meinung (und Erfahrung) nach stellt er damit sehr hohe Ansprüche an sich und vor allem an andere. Aber ich kann mich seinen Sichtweisen nicht entziehen, da er sie mit so viel Menschlichkeit und Klugheit entwickelt, dass es einen förmlich in seinen Bann zieht. Das geht übrigens nicht nur mir so. Die New York Times beispielsweise bejubelt das Buch geradezu. Sie schreibt über den eben genannten Aspekt, dass hinter diesem etwas klinisch anmutenden Ansatz seine Aufforderung steht, demütig zu sein und sich selbst kennenzulernen. Und das stimmt. Liest man das Buch, taucht man in Dalios Leben ein, das eben nicht nur von seinem Megaerfolg geprägt ist. Vielmehr macht er seine eigenen Fehler und Schwächen auf höchst persönliche Art zum Thema. Bill Gates, Tony Robbins, Tim Ferris (von dem ich die Anregung erhielt, dieses Buch zu kaufen, die Besprechung seines Buches finden Sie hier) und viele andere überschlagen sich förmlich und auch ich kann es nicht anders sagen: Wenn Sie eine einerseits tiefgründige und gleichzeitig persönliche Geschichte über Erfolg in der Geschäftswelt lesen wollen, lesen Sie dieses Buch. Viel Spaß!

PS: Die deutsche Ausgabe erscheint im Juni 2018, hier können Sie sie vorbestellen.

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Bildquelle: ImageFlow / Shutterstock